Wirtschaft

Geburtstag Daimler-Aufsichtsrat Bernd Pischetsrieder blickt auf ungewöhnliche Karriere mit viel Gegenwind zurück / Von BMW zu Volkswagen gewechselt

Leidenschaftlicher Automann wird 70

München.Bernd Pischetsrieder ist in der Autoindustrie ein gefragter Mann. Der Ingenieur war zuerst BMW-Chef, dann VW-Chef, inzwischen sitzt er im Aufsichtsrat von Daimler. Aber nicht nur als Manager, auch mit seiner Begeisterung für Oldtimer und schnelle Wagen hat er Schlagzeilen gemacht. Heute wird er 70 Jahre alt.

Die Leidenschaft für Autos ist Pischetsrieder vielleicht schon in die Wiege gelegt worden: Sein Großonkel Sir Alec Issigonis hatte als Autokonstrukteur bei British Motors den Mini entwickelt.

Der junge Bernd heuerte nach dem Maschinenbau-Studium in seiner Heimatstadt München bei BMW an und schaffte es über Dingolfing und Südafrika bald nach ganz oben. 1993 wurde er Vorstandschef – und kaufte ein Jahr später den britischen Autobauer Rover. Nach Milliardenverlusten mit der Marke zog BMW 1999 die Reißleine und feuerte Pischetsrieder. Nur Mini und Rolls-Royce blieben bei BMW.

Zu Pischetsrieders Erfolgen gehören das BMW-Werk Spartanburg in den Vereinigten Staaten und der Ausbau des US-Geschäfts. „Bernd Pischetsrieder hat BMW in eine andere Liga geführt“, meint Bergdolt. Zwei Jahre später holte der damalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch Pischetsrieder als Seat-Chef nach Wolfsburg und erkor ihn 2002 zu seinem Nachfolger an der Spitze des Konzerns.

Phaeton abgesägt

Es war ein schweres Erbe: Volkswagen kämpfte mit Kosten- und Qualitätsproblemen. Veruntreuungen und Sexreisen für Betriebsräte flogen auf. Pischetsrieder brachte VW mit besserer Qualität, neuen Modellen wie dem Touran und dem Touareg sowie längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich wieder auf Kurs und bremste das teure Phaeton-Modell – ein Lieblingsprojekt des Großaktionärs und inzwischen Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch. Das hieß Ärger von mehreren Seiten. Ende 2006 musste Pischetsrieder abtreten, immerhin mit vollen Bezügen für weitere fünf Jahre.

„Besonnen, ruhig, sachlich – mit seinem Management-Stil hat er die Unternehmen und die Autowelt beeinflusst“, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.