Wirtschaft

Verbraucher Partei kritisiert unzureichende Leistungen für Einkommensschwache / Verband wehrt sich

Linke rügt private Krankenversicherung

Archivartikel

Berlin.Von den rund 8,7 Millionen privat Krankenversicherten in Deutschland waren im vergangenen Jahr insgesamt 185 400 Personen in Sondertarifen für Einkommensschwache versichert. Das waren rund 20 000 mehr als noch im Jahr 2013. Die Linke sieht in der gestiegenen Inanspruchnahme einen Beleg dafür, dass das private Kassensystem nicht funktioniert. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) weist den Vorwurf zurück.

Für Versicherte mit geringem Einkommen gibt es bei der PKV grundsätzlich drei Sondertarife. Der sogenannte Standardtarif sowie der Basistarif sind nach Verbandsangaben mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vergleichbar. Versicherte, die ihre Beiträge nicht zahlen können oder damit im Rückstand sind, werden automatisch in einen sogenannten Notlagentarif umgestuft. Davon waren 2018 laut PKV allein 102 200 Personen betroffen. Hinzu kamen 83 200 Personen im Standard- und Basistarif. Der Leistungsumfang im Notlagentarif ist deutlich reduziert. Hier werden nur die Kosten für akute Erkrankungen, Schmerzbehandlungen sowie Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft beglichen. Bei Kindern werden zudem Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie empfohlene Schutzimpfungen übernommen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen gewähren allerdings nur sehr eingeschränkte Leistungen, wenn der volle Anspruch wegen Beitragsrückständen ruht. Für Familienangehörige, die beitragsfrei mitversichert sind, gilt die Einschränkung aber nicht. In der PKV dagegen wird für jede versicherte Person ein eigener Beitrag erhoben.

Zweifel am System

„In der Privaten Krankenversicherung kann es deutlich leichter zum Beitragsrückstand kommen, weil die Beiträge prinzipiell nicht einkommensabhängig sind und so leicht finanzielle Überforderung eintreten kann“, kritisierte die Sozialexpertin der Linken, Sabine Zimmermann. Wer Einkommenseinbußen habe und die steigenden Beiträge nicht mehr zahlen könne, sei im Krankheitsfall „oft deutlich schlechter dran als gesetzlich Versicherte“. Im Notlagentarif erhielten Versicherte Leistungen „auf völlig unzureichendem Niveau“. Durch die wachsende Inanspruchnahme der Sondertarife beweise das PKV-System selbst, dass es nicht funktioniere.

Dagegen rechnete PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther vor, dass im Standard- und Basistarif zusammen weniger als ein Prozent der Privatversicherten seien. Beide Tarife böten „Leistungen auf GKV-Niveau, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben“. Hinzu kämen 1,17 Prozent, die wegen Beitragsschulden in den Notlagentarif übernommen worden seien. Dafür zahlten sie jedoch auch „deutlich günstigere Beiträge“ als bei den gesetzlichen Kassen, sagte Reuther. Zudem sei ihre Zahl im Vergleich zum Jahr 2014 um rund 12 000 gesunken.

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