Wirtschaft

Messe Autoschau fällt 2019 deutlich kleiner aus / Elektroautos und SUVs im Vordergrund / Proteste angekündigt / Samstag erster Publikumstag

Lohnt sich ein Besuch auf der IAA?

Frankfurt.Am heutigen Samstag öffnet die 68. Internationale Automobilausstellung IAA Pkw in Frankfurt für neun Tage ihre Pforten auch für das Publikum, nachdem die Schau vier Tage lang Journalisten und Fachbesuchern vorbehalten war. Die IAA 2019 fällt deutlich kleiner aus, mit 800 sind rund 200 Aussteller weniger gekommen als 2017. Es könnte die letzte IAA in Frankfurt sein. Der Vertrag mit der Messe Frankfurt endet mit dieser Schau, Gespräche über die künftige Kooperation mit dem Verband der Automobilindustrie (VDA) laufen. Lohnt sich ein Besuch Deutschlands größter Autoschau?

Bietet die IAA einen aktuellen Überblick über das in Deutschland verfügbare Pkw-Angebot?

In diesem Jahr nur begrenzt: Mit BMW, Mercedes, Smart, VW, Audi, Porsche und Opel sind zwar die deutschen Marken ausnahmslos vertreten. Beim Blick auf die ausländischen Hersteller aber gibt es viele Lücken. Modelle von Toyota, Volvo, Peugeot, Citroën, Fiat und Alfa Romeo sind in Frankfurt nicht zu sehen. Auch Blicke auf Luxus-Autos von Ferrari, Maserati, Aston Martin oder Rolls Royce sind nicht möglich. Immerhin: Renault, Ford, Seat, Skoda, Hyundai, Honda, Mini, Jaguar, Land Rover oder Lamborghini können bewundert werden.

Was dominiert auf den Ständen?

Im Vordergrund stehen die verfügbaren und vor allem neuen Elektromodelle – allen voran der neue VW ID. 3. Opel zeigt den neuen Corsa auch als Elektro-Variante, Porsche den E-Super-Sportwagen Taycan, der bis zu 761 PS auf die Straße bringt und mindestens 150 000 Euro kostet. Für immerhin 70 000 Euro gibt es den EQC 400, ein E-SUV von Mercedes. Der ID. 3 und der E-Corsa in ihrer Basis-Version sind für knapp 30 000 Euro zu haben. Vor Mitte bis Ende 2020 sind diese Modelle allerdings nicht verfügbar.

Gibt es echte Neuheiten?

Wenige. Dazu gehören der ID. 3 und der Porsche Taycan, der allerdings schon vor der IAA präsentiert wurde. Aber beide sind für das breite Publikum neu und erstmals zu bestaunen. Das gilt auch für den neuen Land Rover Defender, den es später auch als Plug-In geben soll.

Was ist mit den von vielen kritisierten SUVs?

Diese großen Autos sind überall zu sehen, oft auch in einer Plug-In-Version. Etwa bei Mercedes mit den G-Modellen. BMW setzt auf den X 6. Dass diese umstrittenen Autos gezeigt werden, hat seinen guten Grund. Viele Käufer schielen auf diese Autos. Und vor allem mit ihnen verdienen Hersteller gutes Geld.

Gibt es auch Exoten zu bewundern?

Es werden zwar nicht mehr so viele Studien gezeigt wie noch in der Vergangenheit. Viele Blicke aber wird auf dem Stand von Mercedes die Vision EQS auf sich ziehen. Sie zeigt die künftig mögliche Version der S-Klasse als rein elektrische Luxuslimousine. Große Aufmerksamkeit der Besucher wird auch der Super-Sportwagen Lamborghini Sián mit seinen 819 PS erzielen. Zu den Exoten gehören auch die Modelle chinesischer Hersteller. Hochgelobt wird von Experten der Elektro-SUV von Byton.

Kann auf der IAA auch wieder selbst gefahren oder mitgefahren werden?

Es gibt einen Offroad-Parcours und vor allem die IAA Experience, auf der Autos von diversen Herstellern für Testfahrten bereit stehen. Auch ein Parcours für E-Bikes ist eingerichtet.

Wie viel Zeit sollte man für die IAA mitbringen?

Generell gilt: Da es weniger zu sehen gibt als in der Vergangenheit, ist man auch schneller durch. Die Autofirmen haben ihre Stände aus Kostengründen deutlich abgespeckt. Mercedes hat in der Festhalle diesmal keine Ebenen eingezogen. BMW belegt nicht mehr die gesamte Halle 11, teilt sie mit Opel, Jaguar, Hyundai und Land Rover. Auch in der Halle 3, wo VW und die Konzernmarken zu finden sind, treffen die Besucher auf viel freie Fläche. Speziell Interessierte können aber etliche Neuheiten bei den Zulieferern entdecken.

In diesem Jahr gibt es etliche Demonstrationen und Proteste. Auf was müssen sich die Besucher einstellen?

Vor allem am ersten IAA-Wochenende könnte es zu Problemen kommen. Am Samstag haben Kritiker eine Fahrrad-Sternfahrt zur IAA unter dem Motto „#aussteigen – raus aus dem Verbrennungsmotor“ organisiert, auch von Mannheim aus. Um 14.30 Uhr ist eine Kundgebung vor dem IAA-Gelände geplant. Schwieriger dürfte es am Sonntag werden. Dann will die Organisation „Sand im Getriebe“ die Zugänge zur IAA blockieren – friedlich wie deren Sprecherin Tina Velo betont.

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