Wirtschaft

Flugverkehr Wartezeiten, Verspätungen und Ausfälle auch Folge der Air-Berlin-Pleite / Gipfeltreffen mit Verkehrsminister im Oktober

Lufthansa räumt große Probleme ein

Archivartikel

Frankfurt.Lufthansa-Chef Carsten Spohr (Bild) hat erhebliche Defizite im Blick auf Wartezeiten an Flughäfen, auf Verspätungen und Flugausfälle eingestanden. „Was wir zurzeit aus Kundensicht bieten, verdient keine fünf Sterne“, sagte Spohr in Frankfurt. „Wir wissen, was sich täglich abspielt, und wir kehren die Probleme nicht unter den Teppich“, räumte er Fehler und Versäumnisse ein. Er selbst sei von Verspätungen und Flugausfällen betroffen.

Ursache für die Probleme sieht Spohr angesichts des anhaltend starken Wachstums zum einen in einer „Überauslastung“ des Konzerns sowohl bei Lufthansa als auch bei der Billigflugtochter Eurowings. „Das Unternehmen arbeitet im 110-Prozent-Modus.“ Manche Mitarbeiter sprechen auch von 120 Prozent.“ Das habe negative Auswirkungen auf die Passagiere. Die Wachstumsprobleme seien schlimmer als gedacht.

Mit der Einstellung von 8000 neuen Mitarbeitern in diesem Jahr – in erster Linie Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter – und mit mehr Reservemaschinen versucht Lufthansa, den Problemen zu begegnen. Im nächsten Sommer dürften sie nicht erneut auftauchen, sagte Spohr am Montagabend.

Lufthansa sei nach der Pleite von Air Berlin vor einem Jahr zu Wachstum verdammt, damit der Marktanteil in Deutschland nicht weiter sinke. Wachstum sei auch wichtig, damit Lufthansa im globalen Wettbewerb mithalten könne. Verantwortlich für die aktuellen Probleme macht der Lufthansa-Chef aber auch Engpässe in der Flugsicherung. Auch bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen seien Wartezeiten wegen des Personalmangels viel zu lang. Das treffe freilich alle Airlines.

Manche Flughäfen seien offenbar auch mit der Zahl der Starts und Landungen überfordert, sagte Spohr, ohne Namen zu nennen. Er plädiert dafür, dort die Zahl der Flugbewegungen zu verringern oder zumindest nicht weiter zu steigern. Lufthansa selbst könne sich das aber nicht erlauben. Würde sein Unternehmen das Flugangebot zurückfahren, seien und Start- und Landerechte weg. Jede Airline muss die ihr zugewiesenen Slots zu mindestens 80 Prozent nutzen. Wenn nicht, werden sie neu ausgeschrieben.

„Alle sind wach geworden“

Deshalb setzt Lufthansa manchmal zumindest kleine Maschinen ein. Spohr gibt sich aber zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden. „Alle in der Branche sind wach geworden, Airlines, Flughäfen, die Flugsicherung, die Behörden und die Hersteller.“ Weil es um gemeinsame Probleme gehe, soll es Anfang Oktober ein Gipfeltreffen der Branche mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geben. Geplant ist offenbar der 5. Oktober in Hamburg.

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