Wirtschaft

Fluglinie Konzern verschärft Sparkurs / In der Verwaltung fallen 1000 Stellen weg / 22 Jets komplett aus dem Verkehr genommen

Lufthansa streicht jede fünfte Führungsposition

Archivartikel

Frankfurt.Einen Tag nach dem festgezurrten Einstieg des Bundes mit 20,05 Prozent und dem Aufstieg des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zum größten Aktionär und wenige Tage nachdem die Lufthansa die erste Milliarde aus dem drei Milliarden Euro schweren Hilfskredit der Förderbank KfW beansprucht hat, dreht die Airline weiter an der Kostenschraube. Nach der Verkleinerung des Vorstands durch zwei Abgänge in den letzten Monaten sollen auch die Führungsgremien von Tochtergesellschaften personell abspecken. Konzernweit werde die Zahl der Führungskräfte bis Ende 2023 um 20 Prozent reduziert, teilte die Airline am Dienstag mit.

Investitionen halbiert

In der Verwaltung der Muttergesellschaft sollen bis dahin 1000 Stellen wegfallen. Daneben werde die Reduzierung der Flotte umgesetzt. Allein bei der Lufthansa seien 22 Maschinen stillgelegt worden, darunter sechs Riesen vom Typ Airbus A 380 sowie elf Airbus A 320 und fünf Jumbos vom Typ Boeing 747-400.

Das Investitionsvolumen in neue, verbrauchsärmere und weniger klimaschädliche Jets werde auf maximal 80 bis 2023 halbiert. Die Anschaffung ist Teil der Vereinbarung über das Rettungspaket mit dem Bund. Unabhängig von diesen Maßnahmen besteht nach Angaben des Vorstands durch die bereits feststehende Reduzierung der Flotte um 100 Maschinen auf dann noch rund 660 im Jahr 2023 ein rechnerischer Personalüberhang von „mindestens“ 22 000 Vollzeitstellen. Aktuell beschäftigt die Lufthansa weltweit rund 138 000 Menschen, für mehr als 80 000 gilt aber seit Monaten Kurzarbeit.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermeiden. Dazu sind Vereinbarungen über Krisenpakete mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen nötig. Bislang hat sich die Lufthansa nur mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo verständigt. Die Gespräche mit der Pilotenvereinigung Cockpit, die Einsparungen im Volumen von 350 Millionen Euro angeboten hat, und mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die 35 000 Beschäftigten am Boden und bei Tochterunternehmen laufen noch.

Dem Lufthansa-Chef zufolge wird sein Unternehmen wahrscheinlich das gesamte Hilfspaket im Volumen von neun Milliarden Euro benötigen, auch wenn jetzt mehr Buchungen hereinkommen. Und obwohl mittlerweile auch Unterstützungspakete der Regierungen in Wien für Austrian Airlines und in Bern für Swiss festgezurrt wurden. Die Verhandlungen mit der belgischen Regierung für die Lufthansa-Tochter Brussels sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

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