Wirtschaft

Prozessauftakt Mutmaßlicher Internetbetrüger steht vor Mannheimer Landgericht / Hunderte fielen auf Masche rein

Luxusurlaub im Nichts

Archivartikel

Mannheim.Die Vorfreude auf den Sommerurlaub in einer Luxusferienwohnung am Gardasee währte nur kurz: Insgesamt 225 Personen und ihre Mitreisenden waren im Frühjahr 2017 auf die Angebote einer professionell erstellten, seriös wirkenden Internetseite hereingefallen. Denn in Wahrheit existierten die Immobilien gar nicht. Einer der mutmaßlichen Straftäter: Arkadiusz D. Der 28-jährige Niederländer muss sich seit gestern wegen der betrügerischen Vermietung von Ferienwohnungen vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Ihm drohen laut Anklageschrift ein bis zehn Jahre Haft wegen bandenmäßigen Betrugs.

Zum Prozessauftakt zeigte sich der Angeklagte, der seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft in der JVA Offenburg sitzt, einsichtig: „Ich bereue das, was ich gemacht habe.“ Ausführlich schilderte er seine Rolle in dem Fall. Um Schulden zu begleichen und Geld für eine medizinische Therapie in den USA aufzutreiben, habe er zusammen mit weiteren Personen den Betrug organisiert, sagte der gelernte Automobilkaufmann. So habe er zur Tarnung eine Gesellschaft in Köln angemeldet sowie mehrere Konten eröffnet, auf die das für die vermeintlichen Wohnungen angezahlte Geld eingegangen sei – immerhin 367 000 Euro.

Das Besondere an dem Fall: Nicht nur die Buchungen fanden über das Internet statt, auch die Betrüger kannten sich größtenteils lediglich virtuell. „Es gab diverse Täter, die nur über das Internet Kontakt hatten“, sagte ein als Zeuge geladener Ermittler aus Offenburg. Der Fall war anschließend von Südbaden an die Mannheimer Schwerpunktstaatsanwaltschaft „Cybercrime“ (Internetkriminalität) weitergeleitet worden.

Anfahrtsskizze und Zugangscode

Er habe auf einer Plattform mit dem Namen Crimenetwork (Kriminalitätsnetzwerk) Kontakt mit den anderen geknüpft, sagte der Angeklagte. Drahtzieher soll demnach ein gewisser „Joko7“ gewesen sein, den er später auch persönlich in Spanien getroffen habe. Trotz der Angaben von A. konnten weder „Joko7“ noch weitere Personen mit Namen wie „El Ano“ und „Matze3x“ gefasst werden.

Immer wieder hakte die Vorsitzende Richterin Bettina Krenz nach, um Ordnung in A.s Ausführungen zu bringen. „Wie viel des Geldes ist denn am Ende bei Ihnen geblieben?“, wollte sie wissen. „30 000 bis 35 000 Euro“, räumte der 28-Jährige schließlich ein. Die könne er auch zurückzahlen.

Für die Opfer des Betrugs – darunter eine Person aus der Nähe von Mannheim – kam das böse Erwachen teils erst am Urlaubsort. „Es war kaum zu erkennen, dass das eine Betrugsmasche war“, schilderte der Offenburger Ermittler. So seien Mietverträge und individuelle Rechnungen verschickt worden. „Es gab sogar Anfahrtsskizzen und Zugangscodes.“ Als der Betrug aufgeflogen sei und die Polizei weitere Geschädigte kontaktiert habe, „wollten die es nicht glauben“. Einige seien trotzdem an den Gardasee gefahren, so der Ermittler. Dort hätten sie dann vor einer grünen Wiese gestanden.

Eine weitere Rolle spielte am ersten Prozesstag auch die schwere Erkrankung des 28-Jährigen. A. leidet von Geburt an unter einer seltenen, lebensbedrohlichen Stoffwechselerkrankung – einer Blutbildungsstörung. Er benötigt alle drei Wochen eine Bluttransfusion sowie eine engmaschige medizinische Betreuung. Dies könne in der Justizvollzugsanstalt nicht geleistet werden, beklagte Strafverteidiger Clemens Louis. „So etwas aber darf nicht sein.“ Der Angeklagte selbst sagte, er habe in der Zeit statt der 13 nötigen Transfusionen nur sieben erhalten.

Geld muss hinterlegt werden

Ob die Erkrankung eine Rolle beim Strafmaß spielen könnte – Juristen sprechen von Haftempfindlichkeit –, wurde am ersten Prozesstag nicht thematisiert. Allerdings wertete die Vorsitzende Richterin die Bereitschaft des Angeklagten, seinen Anteil in Höhe von 35 000 Euro zurückzugeben, als „gewichtigen Strafminderungsgrund“. Dazu kommen rund 40 000 Euro, die gepfändet werden konnten, und die ebenfalls an die Geschädigten gehen. Auf Anraten der Richterin verzichtete A. während der Verhandlung zudem auf seine beiden eingezogenen Notebooks sowie sein iPhone.

Der Angeklagte hat nun Zeit bis zum nächsten Verhandlungstag am 14. August, um die 35 000 Euro zu hinterlegen. Dann wird auch das Urteil erwartet.