Wirtschaft

Mächtige Konkurrenz

Archivartikel

Bettina Eschbacher zu den Problemen der Modebranche

 

Es könnte eine komfortable Situation für Modehändler sein: Die Hitzewelle motiviert viele schwitzende Kunden, jetzt noch schnell die Sommergarderobe aufzustocken. Trotzdem bietet sich beim Bummel durch die Fußgängerzonen das übliche Bild: In fast jedem Schaufenster winken üppige Rabatte von 50 oder gar 70 Prozent auf Kleider, Shirts und kurze Hosen. Dabei wären Schnäppchen angesichts der hohen Nachfrage gar nicht unbedingt nötig, auch wenn die Kunden sich natürlich darüber freuen.

Doch dem Einzelhandel in deutschen Innenstädten fehlt die Gelassenheit, um erst einmal das Kundenverhalten zu beobachten und daran anschließend ihre Preispolitik anzupassen. Also lieber gleich reduzieren, um ja nicht auf einem Warenberg sitzenzubleiben. Die Nervosität in den deutschen Einkaufsstraßen ist verständlich, wenn selbst mächtige Konzerne wie H&M Filialen schließen und erfolgsverwöhnte Markenhersteller wie Bench Insolvenz anmelden müssen.

Die Branche befindet sich im Umbruch: Die Internet-Konkurrenz wird noch mächtiger, die Trends gestalten sich immer kurzlebiger. Für Textileinzelhändler wird es extrem schwierig vorherzusagen, was bei den Kunden ankommt. Gleichzeitig müssen sie viele Monate im Voraus die Saisonware in Asien bestellen. Schnellere Kollektionswechsel und die in diesen Zeiten unverzichtbare Verzahnung von stationärem und Online-Angebot könnten Wege aus der Krise sein. Das ist aufwendig – aber für viele Händler wohl notwendig zum Überleben.

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