Wirtschaft

Stahl Guido Kerkhoff übernimmt vorübergehend das Ruder beim Essener Konzern / Großaktionär ringt um Stabilität

Mächtige Krupp-Stiftung greift ein

Essen.In der Führungskrise bei ThyssenKrupp will die einflussreiche Krupp-Stiftung Verantwortung für die künftige Stabilität des Konzerns übernehmen. Dafür und für das langfristige Unternehmenswohl werde sie sich gemeinsam mit dem Managemet und den Arbeitnehmervertretern einsetzen, teilte die Stiftung gestern nach einer außerordentlichen Sitzung des Kuratoriums in Essen mit.

Das Gremium bekundete „großes Bedauern“ über den überraschenden Rückzug von Konzernchef Heinrich Hiesinger, der in der vergangenen Woche das Handtuch geworfen hatte.

Zuvor war bekannt geworden, dass mit Guido Kerkhoff (Bild) ein langjähriger enger Mitarbeiter des zurückgetretenen Konzernchefs vorübergehend das Ruder bei ThyssenKrupp übernehmen soll. Kerkhoff, Jahrgang 1967, werde das Unternehmen führen, bis ein Nachfolger für Heinrich Hiesinger gefunden sei, teilte das Unternehmen mit. Die Entscheidung im Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen, hieß es.

„Die Aufsichtsratsmitglieder sind sich einig, dass ThyssenKrupp vor allem Stabilität und Kontinuität braucht, um den eingeschlagenen Weg der Transformation erfolgreich fortsetzen zu können“, sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Die Stiftung ist mit einem Anteil von 21 Prozent wichtigste Aktionärin.

Nach dem überraschenden Rückzug von Hiesinger Ende vergangener Woche war zunächst über einen mangelnden Rückhalt durch die Stiftungschefin Ursula Gather spekuliert worden. Hiesinger war zuvor von aktivistischen Investoren scharf attackiert worden, die einen schnelleren Umbau des Konzerns fordern. Zweitgrößter ThyssenKrupp-Aktionär ist mit einem Anteil von 18 Prozent der schwedische Investor Cevian, der auch im Aufsichtsrat vertreten ist. Cevian ist zudem am Mannheimer Dienstleistungskonzern Bilfinger sowie am Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB beteiligt.

Es gelte jetzt, das Ende Juni vereinbarte Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata konsequent umzusetzen und die übrigen Geschäftsbereiche zukunftsorientiert fortzuentwickeln, so die Stiftung. Der Vorstand genieße dabei das volle Vertrauen der Stiftung. Auch künftig sehe man sich dem Willen von Alfried Krupp verpflichtet, die Einheit des Unternehmens möglichst zu wahren und seine weitere Entwicklung zu fördern.