Wirtschaft

Pilotprojekt Zwischenbilanz einer Drei-Länder-Partnerschaft / Neue Stromnetze werden kombiniert mit Fernwärme und Mobilität

Mannheim als Testlabor der Energiewende

Stuttgart/Mannheim.Auf dem Franklin-Areal erprobt der Mannheimer Versorger MVV die Energieversorgung der Zukunft. Die ehemalige Wohnsiedlung der US–Streitkräfte ist eines der 34 Versuchsfelder des Demonstrationsprojekts „C/sells“. Gestern zog Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) in Stuttgart nach einem Jahr gemeinsam mit den Partnern eine erste Zwischenbilanz: „Wir müssen experimentieren und aus Fehlern lernen, um die richtigen Entscheidungen beim Aufbau eines nachhaltigen und ressourcenschonenden Energiesystems treffen zu können.“ C/sells liefere bereits wichtige Erkenntnisse.

Der weitgehende Umstieg auf erneuerbare Erzeugung stellt das Energiesystem vor grundlegende Herausforderungen. Die Versorgungssicherheit müsse gewährleistet sein, auch wenn die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht, betonte Untersteller. Batteriespeicher würden die Probleme nicht komplett lösen.

Auf dem Franklin-Areal, auf dem Wohnungen für 8000 Menschen entstehen sollen, will die MVV den Austausch von Energie auf Ebene der Kunden ausprobieren, erläuterte Stabstellenleiter Holger Krawinkel. In sogenannten Mieterstrommodellen werde der Handel innerhalb eines großen Hauses organisiert. Notwendig seien dafür neue Netze auf der untersten Verteilebene und intelligente Stromzähler.

Untersteller fordert Kampagne

Experten halten intelligente Messsysteme für einen zentralen Bestandteil der Energiewende. Die Digitalisierung bietet nach Unterstellers Ansicht neue Geschäftsmöglichkeiten auch für Verbraucher. „Bisher sehen die Bürger aber nicht die Vorteile“, erklärte der Grünen-Politiker. Er forderte von der Bundesregierung eine Informationskampapne. Die neuen Stromzähler könnten ab 2020 zur Pflicht werden.

Den Schwerpunkt von C/sells sieht Untersteller in der Verknüpfung von Solarstrom und neuen Marktmodellen. Insgesamt 58 Partner haben sich zusammengetan, um Erfahrungen zu sammeln. Gut die Hälfte der 84 Millionen Euro an Projektgeldern stammen vom Bundeswirtschaftsministerium, den Rest steuern die Firmen bei. Neben Franklin gibt es weitere 33 Demonstrationsgebiete. Eine solche Zelle kann nach Angaben von Projektleiter Albrecht Reuter ein Industrieunternehmen sein oder ein Dorf. Neben Baden-Württemberg sind Bayern und Hessen beteiligt. Die drei Länder hätten ähnliche Strukturen mit vergleichsweise wenig Windenergie.

Für Netzbetreiber wie TransnetBW ändert sich das Geschäft durch die erneuerbaren Energien komplett. „Das Spiel muss neu definiert werden und trotzdem funktionieren“, betonte Geschäftsführer Werner Götz. Verbrauchsschwankungen würden heute durch die Zuschaltung eines großen Kraftwerks ausgeglichen. In Zukunft müssten da tausende Kleinerzeuger koordiniert werden.