Wirtschaft

Klima Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch liegt bei 38 Prozent / Solarbranche empört über Förderungseinschnitte

Mehr Strom aus Sonne, Wind und Biomasse

Archivartikel

Berlin.Für den Klimaschutz sind das erst einmal gute Nachrichten: Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 38 Prozent gestiegen. Damit lag er um drei Punkte höher als im Vorjahreszeitraum, wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) berichtet. „Die Erneuerbaren sind ganz klar auf der Überholspur, während der Beitrag der konventionellen Energieträger zur Deckung des Bruttostromverbrauchs kontinuierlich zurückgeht“, sagt Stefan Kapferer, Chef des BDEW.

Es sei trotzdem noch „ein ganzes Stück Arbeit“, das von der Bundesregierung angepeilte Ziel von 65 Prozent Ökostrom bis 2030 zu erreichen. Wichtig ist seiner Ansicht nach, für Windräder an Land ausreichend Fläche zur Verfügung zu stellen und alles dafür zu tun, die großen Stromleitungen vom Norden in den Süden Deutschlands voranzubringen. Außerdem brauche es „adäquate Rahmenbedingungen für den Betrieb von Stromspeichern“.

Die große Koalition hat sich diese Woche darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die Wege zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für neue Windräder auf dem Land ausloten soll – etwa Beschränkungen der Höhe oder ein Mindestabstand zu Wohnhäusern. Außerdem soll es über die kommenden drei Jahre einen zusätzlichen Ausbau des Wind- und Sonnenstroms von insgesamt acht Gigawatt geben, um den Klimaschutz voranzubringen.

Gleichzeitig sorgt aber das Bundeswirtschaftsministerium für Aufruhr. Offenbar plant es überraschend Einschnitte bei der Förderung neuer Solarstromanlagen auf Gebäuden. Konkret geht es um eine Kürzung von rund 20 Prozent. Das geht aus einem Referentenentwurf zum Energiesammelgesetz hervor.

Starker Preisverfall

Darin heißt es, die Preise für Photovoltaikmodule und Photovoltaikanlagen seien in den vergangenen Monaten stark gesunken. Gründe dafür sind laut Ministerium ein anhaltendes Überangebot auf dem Weltmarkt und das Auslaufen von Anti-Dumpingzöllen der EU auf chinesische Photovoltaikmodule. Dies habe zu einer „Überförderung“ bei größeren Photovoltaikdachanlagen geführt. Die Bundesregierung sei „beihilferechtlich verpflichtet“, dies der EU-Kommission anzuzeigen und die Förderung zu korrigieren.

Die Solarbranche ist alles andere als begeistert. Sie reagiert mit scharfer Kritik und spricht von einem „Anschlag auf die Energiewende“. „Eine so hohe Förderkürzung mit so kurzer Vorwarnung greift tief in die Planungssicherheit der Handwerksbetriebe ein“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Solarwirtschaft.

Von Januar bis Ende September wurden den Angaben zufolge insgesamt fast 170 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt, im Vorjahreszeitraum waren es 155,5 Milliarden. Den größten Anteil lieferten Windkraftanlagen an Land mit fast 63 Milliarden, das waren mehr als 13 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2017. dpa