Wirtschaft

Pharma Stefan Oschmann will Bezahlung abhängig vom Behandlungserfolg machen / Heftige Debatte in den Vereinigten Staaten

Merck-Chef verlangt neues Preismodell für Arzneien

Darmstadt.Der Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, Stefan Oschmann, fordert neue erfolgsabhängige Bezahlmodelle für Arzneien. Im Gesundheitssystem herrsche noch ein „altes, überkommenes Denken“, bei dem etwa pro Tablette oder Injektion vergütet werde, sagte Oschmann dem „Handelsblatt“. „Ärzte und Kliniken werden dafür bezahlt, was sie tun, und nicht dafür, was sie erreichen“, kritisierte er.

Neue Modelle könnten die Erstattung von Therapien an den Behandlungserfolg bei Patienten koppeln. „Die Vergütung sollte sich viel mehr daran orientieren, was dabei herauskommt.“ Gerade in den USA gibt es eine Debatte über hohe Medikamentenpreise. Präsident Donald Trump hatte internationale Pharmariesen verbal attackiert.

Keine Erhöhungen in den USA

Konzerne wie Pfizer, Novartis, Bayer und Merck hatten daraufhin dort auf Preiserhöhungen verzichtet. „Wir planen derzeit keine Preiserhöhungen in den USA für den Rest des Jahres 2018“, hatte Merck dazu mitgeteilt. Man treffe Preisentscheidungen aber „unabhängig“. Der Darmstädter Konzern erzielte vergangenes Jahr in seiner Arzneisparte in Nordamerika rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz – knapp zehn Prozent der Gesamterlöse.

Oschmann, der auch Präsident des europäischen Pharmaverbands ist, monierte, dass Medikamente zu Unrecht als Kostentreiber im Gesundheitssystem gälten. „In Europa sind die Ausgaben für Arzneimittel in den letzten Jahren nur leicht oberhalb der Inflationsrate gewachsen.“

Erfolgsorientierte Preismodelle für Medikamente könnten der Pharmabranche bei der Akzeptanz für teure Therapien helfen, bei denen oft Tausende Euro an Behandlungskosten pro Monat anfallen. Das Gesundheitssystem wiederum könnte effizienter werden, indem die Krankenkassen nur die Kosten für wirksame Arzneien übernehmen. Jedoch sind die Hürden hoch, etwa weil der konkrete medizinische Erfolg schwer zu messen und der bürokratische Aufwand hoch ist. Oschmann meinte, der Preis etwa für wirksame Krebsmedikamente müsse sich daran orientieren, „wie viel besser das Mittel im Vergleich zu bestehenden Therapieoptionen ist“. Krankenkassen äußerten sich gegenüber dem „Handelsblatt“ zurückhaltend zu dem Vorstoß. dpa