Wirtschaft

Pharma Darmstädter Konzern profitiert von Versum-Übernahme / Mögliche Auswirkungen des Coronavirus auf Geschäft noch unklar

Merck trotz guter Zahlen verunsichert

Archivartikel

Frankfurt.Auch beim Darmstädter Pharma- und Technologie-Konzern Merck sorgt die Coronavirus-Epidemie für Verunsicherung. Die möglichen Auswirkungen auf das eigene Geschäft seien derzeit schwer zu bestimmen, sagte Vorstandschef Stefan Oschmann am Donnerstag bei der wegen der Epidemie nur online abgehaltenen Bilanz-Pressekonferenz.

Derzeit rechne man damit, dass die Epidemie im ersten Quartal seinen Höhepunkt erreicht, und im Laufe des zweiten Vierteljahres abklingt und sich die Lage im zweiten Halbjahr wieder normalisiert. „Unter diesen Annahmen sollte sich die Coronavirus-Epidemie mit einem Minus von einem Prozent im Konzernumsatz niederschlagen.“ Zum möglichen Einfluss auf das Ergebnis machte Oschmann keine konkreten Angaben, Merck wolle aber auch 2020 profitabel wachsen.

Engpässe bei Wirkstoffen für Medikamente, die Merck produziert, sieht der Manager nicht. „Wir sind eine der Firmen, die Wirkstoffe noch selbst herstellt, mehr als der Durchschnitt der Industrie.“ Viele Wirkstoffe kämen im Übrigen aus der Schweiz und aus Spanien.

Normalisierung in China

Insgesamt sei in diesem Bereich China mehr auf Merck angewiesen als umgekehrt. Merck selbst beschäftigt in China rund 4000 Mitarbeiter. Sie würden derzeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, der Geschäftsbetrieb normalisiere sich allmählich.

An der Börse wurden diese Einschätzungen wie auch die guten Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr honoriert. Der Kurs der Aktie kletterte zeitweise um vier Prozent, die Dividende soll um fünf Cent auf 1,30 Euro je Aktie steigen. Man habe 2019 alle selbst gesteckten finanziellen Ziele erreicht und sei profitabel gewachsen, sagte Oschmann: „Wir haben unser Versprechen eingelöst. Und wir setzen unsere Strategie konsequent um und stärken unsere innovationsgetriebenen Geschäfte in allen Bereichen.“

Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres ist Oschmann angesichts des schwierigen Umfeldes mit Handelskonflikten und Brexit zufrieden. Insgesamt steigerte Merck den Umsatz um knapp neun Prozent auf 16,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn erhöhte sich sogar um fast 23 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

Unter dem Strich steht allerdings ein Einbruch des Netto-Gewinns um rund 61 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Hauptgrund: 2018 hatte Merck sein Geschäft mit Gesundheitsprodukten für Verbraucher verkauft. Durch die Übernahme des US-Unternehmens Versum haben sich die Finanzschulden von 6,7 Milliarden auf 12,4 Milliarden Euro zum Jahresende 2019 nahezu verdoppelt.

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