Wirtschaft

Tarifverhandlungen Einkommen sollen steigen und Beschäftigung gesichert werden

Metaller fordern vier Prozent

Leinfelden-Echterdingen.Mit einer Forderung von vier Prozent geht die IG Metall in die anstehende Tarifrunde im Südwesten. Die Große Tarifkommission will das Volumen einsetzen für eine klassische Lohnerhöhung oder zur Finanzierung von Arbeitszeitverkürzungen mit einem Ausgleich der damit verbundenen Gehaltseinbußen. Bezirksleiter Roman Zitzelsberger: „Wir sind uns der aktuellen wirtschaftlichen Lage durchaus bewusst und fordern deswegen keine exorbitanten Lohnerhöhungen.“ Südwestmetall-Chef Stefan Wolf sprach von einem „überzogenen Forderungsbeschluss“. Von der Krise getroffene Firmen bräuchten Entlastungen.

Wie in Baden-Württemberg sind auch die Tarifkommissionen in den anderen Bezirken an den oberen Rand der Bandbreite gegangen, die vom Vorstand der IG Metall vorgeben war: „Bis zu vier Prozent“ hatte die Frankfurter Gewerkschaftszentrale als Volumen für die Diskussion an der Basis beschlossen. „Die Größenordnung ist vermittelbar“, glaubt Zitzelsberger. Seiner Ansicht nach „deckt die Forderung die Bandbreite zwischen den Betrieben ab, bei denen es schon wieder rund läuft, und denen, die Beschäftigungssicherung brauchen“.

Vorgaben zur Verteilung des Volumens hat die Tarifkommission nicht gemacht. Das ausgehandelte Ergebnis könnte für höhere Löhne eingesetzt werden oder als Teillohnausgleich, wenn die Arbeitszeit gekürzt wird. Als Favorit bezeichnete Zitzelsberger eine prozentuale Lohnerhöhung mit einem Aufschlag bei den Mitarbeitern, deren Wochenstundenzahl gesenkt wird.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hat für Unternehmen in der Corona-Krise die Einführung einer Vier-Tage-Woche mit einem teilweisen Lohnausgleich vorgeschlagen. In einer Mitgliederbefragung habe der Vorschlag bei den bundesweit 250 000 Teilnehmern „hohe Zustimmungswerte“, berichtete Hofmann. Rund zwei Drittel würden darin ein wichtiges Instrument der Beschäftigungssicherung sehen.

Arbeitgeber fordern Pause

Südwestmetall antwortete mit Gegenforderungen. „Es braucht einen substanziellen Beitrag der Beschäftigten, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten“, forderte Wolf. Das könnte Geld sein oder unbezahlte Arbeit. Er verwies auf das durchschnittliche Jahreseinkommen von 65 000 Euro: „Die Ausgangslage ist so gut, dass unsere Mitarbeiter eine befristete Pause bei Lohnerhöhungen verkraften.“

Die von Wolf ins Gespräch gebrachte Verschiebung der Tarifrunde lehnte Zitzelsberger ab. Es gebe Hygienekonzepte, die ein Treffen von jeweils zehn Unterhändlern möglich machen. Das erste Treffen ist für den 16. Dezember geplant.

Bei Südwestmetall steht vorher noch ein Führungswechsel an. Wolf wird nächste Woche als Nachfolger des Heidelbergs Rainer Dulger Präsident der Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Zitzelsberger: „Ich bin gespannt, wer uns als Verhandlungsführer gegenübersitzt.“

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