Wirtschaft

Luftverkehr Entscheidung soll am 25. September fallen / Gewerkschaft kritisiert Termin nach der Bundestagswahl heftig

Mindestens fünf Angebote für Air Berlin

Berlin.Im Rennen um die insolvente Air Berlin ist die erste Etappe beendet. Bis zum gestrigen Fristende gingen mindestens fünf Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft.

Reges Interesse der Investoren

Air Berlin sprach gestern nur von "mehreren" Bietern und nannte keine Namen. "Das rege Investoreninteresse spricht für Air Berlin", teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit. Ein Angebot hatte auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl angekündigt. Ob er tatsächlich zu den Bietern zählt, war gestern zunächst nicht zu erfahren.

"Wir werden nun bei der Prüfung der Angebote darauf achten, die bestmöglichen Lösungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu erreichen", sagte Winkelmann. "Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen." Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden.

Am Tag der Bundestagswahl (24. September) stimmen die Berliner in einem Volksentscheid auch darüber ab, ob in Tegel nach Eröffnung des Flughafenneubaus BER noch geflogen werden soll. Der rot-rot-grüne Senat plant, das Airportgelände zu einem Wissenschaftscampus und Wohnquartier umzubauen.

Entscheidung verschoben

Die Gewerkschaft ver.di kritisierte es als verantwortungslos, dass die Entscheidung nun erst am Tag nach der Bundestagswahl fallen soll. Bis vor Kurzem hatte Air Berlin Lösungen im Gläubigerausschuss für den 21. September angekündigt. Ver.di vermutet, dass schlechte Nachrichten vor dem Wahltermin vermieden werden sollen - zum Beispiel, dass ein Kredit des Bundes für die Airline nicht zurückgezahlt werden könne oder dass mögliche Käufer die Beschäftigten nicht übernähmen.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere Finanzspritzen für die defizitäre Airline ausgeschlossen hatte. Air Berlin betont stets, den Verkauf möglichst schnell abschließen zu wollen. Denn der Flugbetrieb wird nur noch durch den Kredit des Bundes aufrecht erhalten, der bis zu 150 Millionen Euro umfasst. dpa