Wirtschaft

Banken Frankfurter Volksbank und Taunus Sparkasse planen bis Ende des Jahres zehn gemeinsame Filialen / Regionale Institute zurückhaltend

„Mit der Initiative betreten wir echtes Neuland“

Frankfurt/Rhein-Neckar.Zwischen Eva Wunsch-Weber, Vorstandschefin der Frankfurter Volksbank, und dem Chef der Taunus Sparkasse, Oliver Klink, wechselt ein Würfel seine Farbe von blau zu rot. In Sulzbach vor den Toren Frankfurts stellen sie ihre neue Idee vor: Künftig werden sie Filialen gemeinsam betreiben, sogenannte FinanzPunkte.

Diese sind wechselweise an vier Tagen von Beschäftigten der Volksbank und Sparkasse besetzt. Blau leuchtet der dort künftig platzierte Würfel, wenn Berater der Volksbank vor Ort, rot wenn die Kollegen der Sparkasse zugegen sind. 26 Filialen sollen in den nächsten drei Jahren gemeinsam im Taunus als FinanzPunkt gestaltet werden. Die erste wird Ende Oktober in Bad Soden-Neuenhain eröffnet. Bis Jahresende sollen es zehn sein. An neun Standorten wird es allerdings nur Selbstbedienungsgeräte geben.

Absage an Fusion

„Wir sind überzeugt, dass wir mit tradierten Antworten die neuen Kundenwünsche nicht mehr bedienen können. Mit der Initiative FinanzPunkt beschreiten wir echtes Neuland in der deutschen Bankenlandschaft“, sagt Klink. „Und es tut nicht einmal weh.“

Auch Wunsch-Weber sieht beide Seiten als Gewinner. „Erstmalig haben eine Sparkasse und eine Volksbank eine flächendeckende Kooperation vereinbart. Über alle Grenzen der tradierten Säulen des Bankwesens hinweg.“

Kein einziger Arbeitsplatz werde abgebaut und das Modell rechne sich für beide Seiten, weil die Kosten von insgesamt fünf Millionen Euro für die Filialen geteilt würden. „Im Vergleich zu einer eigenen Filiale sparen wir 40 Prozent“, betont Klink. Klar ist für beide trotzdem: Sie bleiben Wettbewerber – auch eine Fusion ist ausgeschlossen. Beide glauben trotz sinkender Besuche weiter an die Bedeutung der Filialen.

Die Computersysteme blieben strikt getrennt, womit auch der Datenschutz und das Bankgeheimnis gewährleistet seien. Die Resonanz auf die Kooperation sei positiv, erklären die Chefs.

Die VR Bank Rhein-Neckar bewertet die Zusammenarbeit im Raum Frankfurt zwar positiv, kann sich das Modell für den eigenen Betrieb jedoch nicht vorstellen, teilte ein Sprecher mit. „Wir sind von unserem Konzept, unsere Filialen eigenständig zu betreiben, überzeugt.“ Noch in diesem Jahr wolle die Volksbank ihre Filialen in der Region ausbauen. Auch für das nächste Jahr seien Investitionen geplant.

Die Sparkasse Rhein-Neckar Nord arbeitet bereits mit der Volksbank zusammen: „An verschiedenen Geldautomaten-Standorten in Weinheim und Hemsbach können Volksbank-Kunden bei uns Bargeld abheben und unsere Kunden wiederum bei der Volksbank – ohne zusätzliche Kosten.“

Das Projekt in Hessen hält ein Sparkassen-Sprecher für „spannend“, weitere Gespräche über eine Zusammenarbeit mit der Volksbank gebe es jedoch nicht.

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