Wirtschaft

Umwelt EU-Abgabe soll Ausgaben für Corona-Hilfen finanzieren

Mögliche Plastiksteuer alarmiert deutsche Industrie

Archivartikel

Brüssel.Die deutsche Wirtschaft läuft Sturm gegen die in der Europäischen Union geplante Plastikabgabe. „Diese Steuererhöhung ist Gift für Wohlstand und Beschäftigung und gerade jetzt kontraproduktiv“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Joachim Lang, der Deutschen Presse-Agentur. Bundesumweltministerin Svenja Schulze zeigte sich hingegen offen für die Pläne.

Deutschland besonders betroffen

Die Abgabe auf nicht recycelten Plastikabfall ist Teil des milliardenschweren EU-Finanzpakets, über das am Freitag und Samstag beim EU-Gipfel in Brüssel verhandelt wird. Nach Einschätzung von Diplomaten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie beschlossen wird. Sie soll helfen, die Kosten für das Programm zur wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise zu decken.

Geplant ist, bereits zum 1. Januar 2021 eine Abgabe von 80 Cent je Kilogramm nicht recyceltem Plastik-Verpackungs-Müll von den EU-Staaten zu erheben. Es wird erwartet, dass die Regierungen sich dieses Geld von der Verpackungsbranche zurückholen. Nach Berechnungen des Portals „Politico“ wäre Deutschland mit gut 1,3 Milliarden Euro pro Jahr unter den größten Zahlern der Abgabe. Insgesamt läge das Volumen nach dieser Rechnung bei etwa 5,9 Milliarden Euro jährlich.

BDI-Vertreter Lang kritisierte: „Die Abgabe würde Unternehmen und den Standort über Gebühr belasten und das dringend notwendige Wachstum in der EU bremsen.“ Kunststoffe seien zum Beispiel in der Medizin unersetzlich, die Steuer würde bestimmte Materialien diskriminieren, aber nicht das Problem der Plastikberge beheben.

„Die Wirkungsziele der Kreislaufwirtschaft und das gewünschte Mittelaufkommen einer Plastiksteuer zur Haushaltsfinanzierung passen nicht zusammen“, monierte Lang. „Denn mehr Recycling würde die Einnahmen reduzieren. Das ist keine solide Haushaltspolitik.“

Umweltministerin Schulze erklärte hingegen: „Ich verschließe mich nicht gegen eine EU-weite Plastiksteuer.“ Es komme auf die Ausgestaltung an. „Diese sollte möglichst unbürokratisch sein“, betonte die SPD-Politikerin. Nach Angaben von Greenpeace fällt in Deutschland pro Jahr eine Menge von etwa. 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf an, im europäischen Durchschnitt etwa 170 Kilogramm. dpa

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