Wirtschaft

Bilfinger Mögliche Korruptionsfälle bei österreichischer Tochter / Mannheimer Konzern bestreitet Vorwürfe der Vertuschung

Mondpreise bei bosnischen Geschäften?

Archivartikel

Mannheim.Als hätte Bilfinger beim Thema Korruption nicht schon genug am Hals, tauchen nun neue Vorwürfe gegen den Mannheimer Service-Konzern auf. Der „Spiegel“ berichtet von möglichen Korruptionsfällen in Bosnien und Österreich. Es geht nach Angaben des Nachrichtenmagazins um Lieferungen der österreichischen Tochter Bilfinger VAM Anlagentechnik an bosnische Universitäten.

Der Vorwurf: Die Österreicher hätten zwischen 2011 und 2016 zum Beispiel Frequenzmessgeräte oder Multimedia-Ausstattungen zu massiv überhöhten Preisen an Uni-Abteilungen etwa in Sarajevo geliefert. „Die Differenz zwischen Markt- und Mondpreisen“, so schildert es der „Spiegel“, hätten sich die Lieferanten und Empfänger, darunter angeblich Uni-Funktionäre, geteilt. Dabei soll ein Vertriebsagent eine dubiose Rolle gespielt haben.

Auch bei den Ausschreibungen für die Universitätsaufträge soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Zudem könnte sich nach „Spiegel“-Informationen die österreichische Tochter im Zusammenhang mit den Lieferungen unberechtigt Exportkredite erschlichen haben. Das Magazin beruft sich auf die Untersuchung einer britischen Wirtschaftsdetektei, die Bilfinger in Auftrag gegeben habe. Ein Bilfinger-Sprecher geht auf die Details der Vorwürfe nicht ein, verweist aber darauf, dass das Unternehmen seit 2016 ein neues und effektives Compliance-System installiert habe. „In diesem Rahmen geht Bilfinger Verdachtsmomenten und Hinweisen auf Fehlverhalten konsequent nach und klärt auf.“ Diese Aufklärung erfolge sowohl durch das Unternehmen selbst und bei Bedarf mit externer Unterstützung. Dann ziehe Bilfinger auch entsprechende Konsequenzen.

Verlängerte Überwachung

Nach den „Spiegel“-Recherchen wird jedoch der Vorwurf laut, dass Bilfinger die österreichischen Verdachtsfälle nicht der zuständigen Staatsanwaltschaft im Nachbarland gemeldet habe. Dieser Vorwurf ist besonders brisant, weil der Mannheimer Konzern unter der Beobachtung des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums steht.

Wegen Bestechungsfällen in Nigeria musste Bilfinger 2013 eine Millionenstrafe zahlen und bekam einen sogenannten Monitor, eine Art Aufpasser, zur Seite gestellt. Er kontrolliert, ob Bilfinger ein wirksames System gegen Compliance-Verstöße entwickelt. Compliance bedeutet eine ordentliche Unternehmensführung nach Recht und Gesetz. Ursprünglich sollte der Monitor 2016 seine Arbeit beenden. Sein Auftrag wurde verlängert, weil das Justizministerium noch nicht zufrieden war.

Der Vorwurf der Vertuschung im Falle VAM könnte Bilfinger womöglich eine Verlängerung der Überwachung bringen. Das will der Konzernsprecher so nicht stehenlassen: „Bilfinger erfüllt vollumfänglich seine Informationspflichten sowohl gegenüber dem Monitor als auch dem US-Justizministerium“, betont er.

Wegen der Probleme beim Aufbau des Compliance-Systems fordert Bilfinger Schadenersatz in Millionenhöhe von früheren Vorständen, darunter die Ex-Chefs Herbert Bodner und Roland Koch – und hat so bundesweit für Aufsehen gesorgt.