Wirtschaft

Netzbetreiber Übernahmegerüchte um Unitymedia-Mutter Liberty Global / Breitbandmarkt könnte durcheinandergewirbelt werden

Monopolstellung für Vodafone?

Archivartikel

London.Der Name Liberty Global sorgt für Unruhe auf dem deutschen Breitbandmarkt. Der englische Kabelnetzbetreiber soll Medienberichten zufolge kurz vor einer Übernahme durch den Konkurrenten Vodafone stehen. Vodafone, zu dem schon das Netz von Kabel Deutschland gehört, brächte damit auch die deutsche Tochter Unitymedia und mit ihr das attraktive Kabelfernsehnetz bundesweit unter seine Kontrolle. Am kommenden Mittwoch legt Liberty Global Quartalszahlen vor. Möglicherweise ein Anlass, zu den Gerüchten Stellung zu nehmen?

Bislang gab es von den Unternehmen keinen Kommentar. Medien berichten von einem Kaufpreis von 16,5 Milliarden Euro. Sollte es zu einer Übernahme kommen, dürfte das vor allem der Telekom nicht schmecken. „Eine Remonopolisierung der Kabelnetze wird von Experten zu Recht kritisch bewertet“, kommentierte das Unternehmen. „Fernsehen nur noch über Vodafone“ dürfte nicht nur Medienpolitiker misstrauisch machen, zu befürchten sind auch erhebliche Einschränkungen für Verbraucher.“ Demnach fürchtet die Telekom eine Monopolstellung von Vodafone auf dem Fernsehkabelmarkt. Mit einer möglichen Übernahme von Liberty Global würde Vodafone über ein Fernsehkabelnetz verfügen, mit dem knapp zwei Drittel aller bundesdeutschen Haushalte erreicht würden.

Vor allem für Mieter von Wohnungsgesellschaften könnte das aus Sicht von Torsten Körber weniger Auswahl und langfristig höhere Kosten bedeuten. Körber leitet an der Uni Köln den Lehrstuhl unter anderem für Kartell- und Regulierungsrecht. „Die Wohnungswirtschaft setzt zumeist auf Kabel und steht dann nach dem Zusammenschluss einem Quasi-Monopol gegenüber“, sagt er. Mieter, die Fernsehen lieber über Satellit, das Internet oder DVB-T-2-Antennen empfangen wollen, müssten dann doppelt zahlen – zusätzlich zum Kabelanschluss, dessen Kosten der Vermieter durchreiche.

Mit ihren Fernsehkabeln hätte Vodafone zudem weitere Vorteile: Zum einen könnte sie Mobilfunk, Breitband und Fernsehen im Paket anbieten. Dank des neuen Übertragungsstandards Docsis 3.1 soll darüber hinaus durch die Kabel das Internet bald mit mindestens einem Gigabit pro Sekunde in die Wohnzimmer rauschen. Bei der Telekom kommen die Daten auf der sogenannten letzten Meile in der Regel über alte Telefonleitungen aus Kupfer in die Häuser – mit Geschwindigkeiten von um die 100 Mbit.

Im Hochgeschwindigkeitsbereich falle die Telekom daher gegenüber den anderen Wettbewerbern zurück, sagt Körber. Der Wettbewerb sei intensiv und die Telekom „jedenfalls im Hochgeschwindigkeitssegment zumeist nicht mehr marktbeherrschend“. Körber befürchtet: „Nach dem Zusammenschluss besteht die Gefahr, dass jedenfalls Vodafone nicht mehr in den Glasfaserausbau investieren wird.“

Vodafone selbst verweist darauf, dass der Marktanteil von eigenen Fernsehkabeln am gesamten Breitbandnetz bislang bei lediglich rund elf Prozent liegt. Unitymedia kommt demnach ebenfalls auf elf Prozent. Was Breitbandanschlüsse insgesamt angeht, ist die Telekom aus ihrer Sicht weiter unangefochtener Marktführer. dpa