Wirtschaft

Auto Sergio Marchionne wird überraschend auf allen Posten des Konzerns abgelöst / „Sind in tiefer Trauer“

Nachfolger für schwerkranken Fiat-Chef

Archivartikel

Turin.Konzernlenker Sergio Marchionne muss die Chef-Posten beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler und der Tochter Ferrari aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Wie ernst der Zustand des 66-Jährigen ist, machten die Mitteilungen der Unternehmen nach Dringlichkeitssitzungen der Aufsichtsräte am Wochenende deutlich. An der Spitze von Fiat steht nun der bisherige Jeep-Chef Mike Manley.

In „tiefer Trauer“ teilte Fiat am Samstag mit, dass es im Laufe der vergangenen Woche zu unerwarteten Komplikationen gekommen sei, die sich in den letzten Stunden erheblich verschlechtert hätten. Marchionne könne seine Arbeit als Fiat-Chef sowie als Präsident und Vorstandschef von Ferrari nicht wieder aufnehmen, erklärten die Unternehmen. Eigentlich sollte Marchionne an der Schulter operiert werden und sich davon schnell erholen. Doch seit Freitag kursierten Gerüchte, wonach Konzernspitzen auf der Suche nach einem Nachfolger seien.

Seit 2004 an der Spitze

„Ich bin zutiefst betrübt, von dem Gesundheitszustand von Sergio zu erfahren“, erklärte Fiat-Präsident John Elkann. „Es ist eine Situation, die ein paar Jahre undenkbar gewesen wäre, und die uns alle mit einem Gefühl von Ungerechtigkeit zurücklässt.“ Der Belegschaft schrieb der Manager den „schwierigsten Brief, den ich je geschrieben habe“ und schloss eine Rückkehr von Marchionne aus. Die italienischen Zeitungen schrieben gestern vom „Ende einer Epoche“. Der Italo-Kanadier war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte er die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein. Seit der Fusion im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent – und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen aus der Branche. Als elementares Vermächtnis von Marchionne gilt auch die Fokussierung auf Nischenmarken. Ex-Ministerpräsident Paolo Gentiloni würdigte seine „extraordinäre Arbeit“, seinen Mut und seine Vision. In Marchionnes Zeit fielen auch Vorwürfe, wonach der Autobauer ebenfalls bei Abgaswerten betrogen haben soll.

Der Übergangsprozess an der Spitze des Unternehmens war bereits eingeleitet worden, da sich Marchionne 2019 von dem Posten verabschieden wollte. Rückzugspläne bei Ferrari waren hingegen nicht bekannt. Zum Ferrari-Vorstandschef ernannte der Aufsichtsrat Louis C. Camilleri, der zuvor leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte. dpa