Wirtschaft

Tarifstreit Kontroverse um europaweite Flugabsagen

Nächste Streikwelle trifft Ryanair

Archivartikel

Frankfurt/Dublin.Auf den Billigflieger Ryanair rollt die nächste Streikwelle zu. Crews aus sechs verschiedenen europäischen Ländern wollen heute ganztägig die Arbeit niederlegen – das kündigten die zuständigen Gewerkschaften an. Trotzdem strich Europas größter Billigflieger bis gestern Nachmittag nur um die 200 Flüge aus dem Programm mit mehr als 2400 Verbindungen – die große Mehrheit der Beschäftigten werde ihren Dienst antreten. In Deutschland haben die Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten und Verdi für die Flugbegleiter zum Streik an allen deutschen Standorten aufgerufen.

Bereits am Mittwoch hatte Ryanair für Freitag 150 Europa-Flüge abgesagt. Diese Zahl erhöhe sich noch einmal um 35 bis 45 Streichungen, weil kurzfristig die VC ihre Teilnahme an dem Streik bekanntgegeben hatte. Das wären nur rund zehn Prozent des für Deutschland geplanten Programms mit rund 400 Verbindungen. Später teilte Ryanair per Twitter mit, man habe wegen des VC-Streiks „unter 100“ Flüge abgesagt. Eine Streichliste wurde erneut nicht veröffentlicht, dafür sollten betroffene Passagiere individuell informiert werden.

„Unverantwortliches Verhalten“

Die Vereinigung Cockpit bezweifelte, dass es nur zu geringen Auswirkungen auf den Flugverkehr kommen werde: „Es werden deutlich mehr als 35 Flüge ausfallen“, sagte VC-Sprecher Janis Schmitt. Ryanair riskiere mit der Absage nur weniger Flüge ein Luftverkehrs-Chaos, warnte die belgische Gewerkschaft CNE in Brüssel. „Indem es angesichts des morgigen Streiks nicht genügend Flüge annulliert, verhält sich Ryanair unverantwortlich und riskiert Spannungen und Unsicherheiten für Flughafenmitarbeiter, eigene Beschäftigte und Passagiere.“ Am Brüsseler Flughafen Charleroi etwa drohe angesichts von bis zu 20 000 erwarteten Passagieren Unruhe. dpa