Wirtschaft

Finanzen Rentenkasse und Gesundheitsfonds müssen für ihre angelegten Gelder bezahlen / Bankkunden drohen aus Sicht von Experten höhere Gebühren

Negativzins trifft alle Sozialversicherten

Archivartikel

Berlin/Nürnberg.Zinsflaute und Strafzinsen im Euroraum belasten Sparer und Sozialversicherungen. Laut einer Umfrage des Internet-Vergleichsportals Biallo verlangen immer mehr Banken und Sparkassen in Deutschland von vermögenden Privatkunden Negativzinsen fürs Verwahren von Guthaben, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Zugleich fielen bei Sozialkassen im vergangenen Jahr Negativzinsen in zweistelliger Millionenhöhe an – unter anderem für die Anlage der Gelder, wie die zuständigen Stellen am Montag bestätigten.

Seit Mitte Juni 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Aktuell sind es 0,4 Prozent. Die Währungshüter wollen die Institute dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. Dies soll die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und zugleich die Inflation anheizen.

Einzelne Häuser geben die Strafzinsen der EZB bereits seit einiger Zeit an Unternehmen und vermögende Privatkunden weiter. Aktuell befragte das Vergleichsportal nach eigenen Angaben etwa 1200 Geldinstitute. Von den gut 160, die antworteten, gaben 107 Banken und Sparkassen an, Negativzinsen zu berechnen.

Weitere Lockerung in Sicht

Darunter verlangten fast alle von ihren Firmenkunden Strafzinsen. 30 Institute forderten demnach auch von Privatkunden Geld für die Verwahrung von Einlagen, in der Regel von einer Summe von 100 000 Euro an. Angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation hatte die EZB jüngst die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik geöffnet. Eine von Sparern erhoffte und Kreditnehmern befürchtete Zinserhöhung rückt damit in die Ferne. Ökonomen rechnen vielmehr damit, dass die EZB den Strafzins weiter verschärfen könnte.

Horst Biallo, Gründer und Chef des gleichnamigen Finanzportals, rechnet aber nicht damit, dass nun Banken und Sparkassen in großem Stil auch von Privatkunden mit kleineren Vermögen Strafzinsen kassieren wollen: „Das würde dem Image zu sehr schaden, weil man damit Kunden verprellt“, zitierte ihn die „Süddeutschen Zeitung“. Er geht vielmehr davon aus, dass die Geldinstitute die Gebühren für Girokonten erhöhen.

Die Zinspolitik belastet auch die Sozialversicherungen in Deutschland. Für die Reserve der Rentenversicherung, die Nachhaltigkeitsrücklage, fielen 2018 Negativzinsen in Höhe von rund 54 Millionen Euro an. Auch beim Gesundheitsfonds in der gesetzlichen Krankenversicherung wurden Negativzinsen in Höhe von 9,2 Millionen Euro fällig, wie das Bundesversicherungsamt mitteilte. Beim bestehenden Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung betrugen die Negativzinsen unter dem Strich rund 3,5 Millionen Euro. dpa

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