Wirtschaft

Verbraucher Weltgrößter Hersteller setzt Ernährungsministerin Julia Klöckner unter Druck

Nestlé-Konzern führt Lebensmittel-Ampel ein

Archivartikel

Frankfurt.In die Diskussion um ein Nährwert-Logo auf Lebensmitteln kommt weitere Bewegung. Während Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) noch an den Vorbereitungen für ein Kennzeichen arbeitet, spricht sich der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé für den Nutri Score aus: Der Branchenprimus lässt die Nährwert-Farbampel auf seine Produkte in Europa drucken, wie Nestlé mitteilte.

Auch in Deutschland will der Schweizer Konzern so schnell wie möglich damit beginnen. Damit reiht sich Nestlé ein in Unternehmen wie Danone und Bofrost, die erste Verpackungen hierzulande mit dem Nutri Score kennzeichnen. Dieser fasst die gesamte Nährwertqualität der Lebensmittel in einer fünfstufigen Farbskala von A bis E zusammen.

„Die Europäer sind immer interessierter daran, was in den Lebensmitteln und Getränken enthalten ist, die sie konsumieren“, sagte Marco Settembri, Chef von Nestlé für Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika. Man befürworte den Nutri Score als einheitliche und transparente Kennzeichnung. Nestlé wolle das freiwillige System zunächst in Ländern Kontinentaleuropas an den Start bringen, in denen es unterstützt werde, hieß es. Das sind Frankreich, Belgien und die Schweiz, wo Gesundheitsbehörden den Nutri Score empfohlen haben. In Deutschland wolle man die Farbskala „unverzüglich“ einführen, „sofern die rechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden“.

Der Nutri Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Verbraucherschützer und die SPD machen sich für das System stark. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) plant aber noch eine Verbraucherbefragung im Sommer über ausgewählte Systeme.

Umstrittenes Konzept

Für die Initiative von Nestlé fand Klöckners Ministerium indes lobende Worte: „Dass sich Unternehmen jetzt immer mehr bei der Kennzeichnungsfrage bewegen, ist richtig und wichtig.“

Der Nutri-Score ist in der Lebensmittelindustrie umstritten, der Branchenverband BLL empfiehlt ein eigenes System. Es gibt auch andere Modelle wie schwarze Warnsymbole oder ein Siegel mit Sternen. Sie sollen Verbrauchern den Überblick erleichtern, da viele bei den gängigen Tabellenangaben zu Kalorien oder Zucker nicht durchblicken.

Aus Sicht von Foodwatch geht das Verfahren hierzulande zu langsam. Der Nutri Score sei wissenschaftlich abgesichert und praxiserprobt, kritisierte Foodwatch-Expertin Luise Molling. Die Verbraucherschützer werfen Klöckner zu große Nähe zur Lebensmittelbranche vor – gerade zu Nestlé, nachdem die Politikerin in einem Video die Fortschritte des Konzerns beim Reduzieren etwa von Zucker in Lebensmitteln würdigte. „Frau Klöckner betreibt Verbraucherschutz-Verhinderungspolitik“, monierte Molling.