Wirtschaft

Europäische Zentralbank Christine Lagarde gilt als Verfechterin der ultralockeren Geldpolitik

Neue EZB-Präsidentin liegt auf der Linie ihres Vorgängers

Frankfurt.Mit dem Amtsantritt von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) hat eine neue Ära bei der Notenbank begonnen. Die Juristin und frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) übernahm am Freitag die Geschäfte. Sie löste Mario Draghi an der EZB-Spitze ab, dessen achtjährige Amtszeit am 31. Oktober endete. Damit bestimmt erstmals eine Frau die Geschicke der mächtigen Zentralbank, die über die Geldpolitik für den gemeinsamen Währungsraum mit seinen 19 Ländern entscheidet.

Lagarde gilt als offen, verbindlich, vor allem auch als Teamspielerin. Als IWF-Chefin war sie hoch geachtet. Ihr Verhältnis auch zu Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, einem der schärfsten Kritiker Draghis, gilt als gut. Doch der neuen Präsidentin sind erst einmal die Hände gebunden. Dafür hat ihr Vorgänger mit den von ihm maßgeblich gegen erheblichen Widerstand durchgesetzten Beschlüssen im September gesorgt. Der Einlagezins, den Banken der EZB zahlen müssen, wurde von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gedrückt.

Wichtiger: Mit dem Amtsantritt von Lagarde kauft die Notenbank ab November wieder Anleihen der Eurostaaten – für 20 Milliarden Euro im Monat. Erst Ende 2018 war es eingestellt worden. Damit soll die Kreditvergabe der Banken befördert und die Inflationsrate in Richtung der von der EZB angepeilten Marke von knapp zwei Prozent getrieben werden. Zuletzt lag sie in der Eurozone bei 1,1 Prozent.

Demonstration in Frankfurt

Mehrfach hat Lagarde allerdings betont, dass sie eine großzügige Geldpolitik auch vor dem Hintergrund der abgeflauten Konjunktur für angemessen hält. Sie liegt damit auf der Linie Draghis. DIW-Präsident Marcel Fratzscher erwartet von Lagarde keine Kehrtwende. Europas oberste Währungshüterin könne die Geldpolitik alleine gar nicht ändern. „Natürlich wollen wir, dass die Zinsen wieder steigen. Das gelingt aber nur mit mehr Wachstum in Europa, und dafür muss auch die Politik ihre Hausaufgaben machen“, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der RTL/n-tv Redaktion.

Gegen die Politik der Notenbank demonstrierten am Freitag Globalisierungskritiker von Attac sowie die Klimabewegungen Fridays for Future und Extinction Rebellion. Sie forderten, unter anderem bei künftigen Anleihenkäufen der EZB soziale Kriterien sowie Umwelt- und Klimaschutz zu berücksichtigen. „Raus aus der Kohle – raus aus Atom“, skandierten Aktivisten. 

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