Wirtschaft

Abgas-Skandal Deutsche Umwelthilfe stellt bei 15 Diesel-Fahrzeugen teils deutliche Überschreitungen des Stickoxid-Grenzwerts fest

Neue Messungen, alter Ärger

Berlin.Die Software-Updates für Volkswagen-Dieselmodelle mit manipulierten Abgasreinigungsanlagen sind Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge nur begrenzt wirksam. Der Verein hat im vergangenen Winter die Emissionen unter anderem eines VW Sharan 2.0 TDI Euro 5 nachmessen lassen.

Vor dem Update im Sommer stieß das Fahrzeug 409 Milligramm gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) aus, danach zunächst nur noch 186 Milligramm. Bei der Messung in der kalten Jahreszeit stiegen die Emissionen beim selben Fahrzeug dann auf knapp 500 Milligramm an. Der Verkehrsexperte der DUH, Axel Friedrich, macht für diesen Anstieg Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung verantwortlich. Mit sinkenden Außentemperaturen nehme die Reinigungsleistung ab.

Insgesamt 15 Dieselmodelle verschiedener Hersteller hat Friedrich mit Messgeräten auf die Straße geschickt. Den gesetzlichen Grenzwert von 80 Milligramm hält demnach kaum ein Auto ein. Im Durchschnitt überschritten die Autos das Maximum um fast das Zehnfache. Deshalb erneuert die Umwelthilfe ihre Forderung, rund zehn Millionen Diesel technisch nachzurüsten. Das würde Friedrich zufolge höchstens 1500 Euro pro Fahrzeug kosten – die von der Industrie übernommen werden müssten.

„Für die Hälfte der betroffenen Pkw haben die Hersteller die erforderliche Hardware zur Nachrüstung bereits fertig entwickelt“, sagt Friedrich. Die gegenteiligen Aussagen der Industrie seien faule Ausreden. Große Hoffnungen, dass die Politik die Hersteller zu dieser kostspieligen Großaktion verpflichtet, hat DUH-Chef Jürgen Resch indes nicht. „Die Bundesregierung lässt sich von der Autoindustrie weiter am Nasenring durch die Manege ziehen“, kritisiert Resch.

Dass er damit womöglich richtig liegen könnte, zeigte die Klausurtagung der Bundesregierung in Meseberg. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte dort, dass die technische Nachrüstung „kostenintensiv“ sei und die Industrie schon Software-Updates für über fünf Millionen Fahrzeuge bis Ende 2018 zugesichert habe.

Absage vom Minister

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte der Forderung nach technischen Nachrüstungen bereits eine klare Absage erteilt. Nur im Umweltministerium findet die DUH noch Unterstützung. Nach Berechnungen der Umwelthilfe würde die Nachrüstung aller zehn Millionen betroffenen Euro-5 und Euro-6 Fahrzeuge rund 15 Milliarden Euro kosten, zehn Milliarden Euro davon entfielen auf deutsche Hersteller, der Rest auf ausländische Marken.