Wirtschaft

Finanzen Manfred Knof übernimmt den Vorstandsvorsitz bei der Commerzbank – und muss dort harte Einschnitte durchsetzen

Neuer Chef als Krisenmanager

Archivartikel

Frankfurt.Knapp zwei Monate nach seinem Amtsantritt hat Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter einen neuen Vorstandschef für Deutschlands zweitgrößte Privatbank gefunden: Am 1. Januar 2021 übernimmt mit Manfred Knof ausgerechnet ein führender Manager der Deutschen Bank den Chef-Vorposten der Commerzbank und löst damit Martin Zielke ab.

Überraschende Entscheidung

Die beiden Vorstandsmitglieder Bettina Orlopp und Ronald Boekhout, intern als Favoriten für die Nachfolge gehandelt, gehen leer aus. Vetter wie auch der Bund, mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Commerzbank, begrüßen die Berufung des 55-jährigen Knof. Er sei ein erfahrener und durchsetzungsstarker Topmanager, der sich in den unterschiedlichsten Aufgaben der Finanzindustrie bewiesen habe.

Die Berufung von Knof kommt für viele Experten am Finanzplatz Frankfurt unerwartet. Der Jurist war erst vor zwei Jahren mit Lobeshymnen von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zum Leiter des Privatkundengeschäfts berufen worden, einem für die Bank extrem wichtigen Job. Knof war mit zuständig für die Entscheidung, weltweit 18 000 Stellen zu streichen. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank hierzulande 100 der noch verbliebenen 500 Filialen schließen wird. Jetzt spricht Knof von einer „einzigartigen Kultur“ der Commerzbank, auf die er sich besonders freue. Sie habe für den Mittelstand hohe Relevanz und im Privatkundengeschäft innovative Akzente gesetzt. Allerdings wird sich der 55-Jährige ab Januar wohl vor allem mit den unausweichlichen Einschnitten beim „gelben“ Geldhaus befassen müssen. Der US-Investor Cerberus, mit fünf Prozent zweitgrößter Aktionär, hatte Zielke und Ex-Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im Frühsommer heftig attackiert, weil ihm der Umbau viel zu langsam ging, die Erträge schwach waren und der Aktienkurs auf niedrigem Niveau dümpelt. Beide verkündeten ihren Abschied.

Erstmals wieder Verlust erwartet

Auch wegen der Folgen der Corona-Pandemie wird die Bank in diesem Jahr erstmals seit 2009 wieder einen Verlust verbuchen müssen, auch wegen Abschreibungen auf einen 175-Millionen-Euro-Kredit an Wirecard. Sollte es 2021 zu einer Pleitewelle wegen der Pandemie kommen, drohen weitere Belastungen.

Zwar hat Zielke bereits ein Sparprogramm angestoßen. Es dürfte aber Weitem nicht ausreichen. Mittlerweile wird spekuliert, dass mehr als 10 000 und damit ein Viertel aller Stellen wegfallen und bis zu 800 der aktuell noch 1000 Filialen geschlossen werden. Aufsichtsratschef Vetter hat bereits deutlich gemacht, was auf den neuen Bankchef zukommt. Das Institut habe in Sachen Effizienz und Profitabilität noch Luft nach oben. Erträge müssten gesteigert, die Kosten gesenkt und der Status quo hinterfragt werden. Es gebe noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht angemessen seien.

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