Wirtschaft

Luftverkehr Kurz vor Beginn der Ferienreisezeit ist die Branche bemüht, Engpässe wie im Jahr 2018 zu vermeiden

Neuer Flugplan, neues Chaos?

Frankfurt.Sicherheitscheck am Frankfurter Flughafen in diesen Tagen. Die Schlange ist nicht lang. Sechs Damen und Herren stehen am Band und hinter der Schleuse, wirklich bei der Arbeit sind nur zwei, die anderen unterhalten sich über private Probleme. Folglich dauert es. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt ein Vielflieger. Der Sommerflugplan gilt seit Ende März. Am kommenden Wochenende beginnen in einigen Bundesländern die Osterferien – dann rollt die erste große Reisewelle in diesem Jahr. Experten warnen vor ähnlichen Problemen wie im vergangenen Jahr, auch wenn Flughäfen, Flugsicherung und Airlines Abhilfe versprechen. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sieht das Angebot laut den Sommerflugplänen aus?

Bezogen auf die angebotenen Sitze ist das Angebot an Flügen von deutschen Flughäfen mit knapp 101 Millionen nicht größer als 2018. In Frankfurt und München geht es sogar leicht zurück, während es in Berlin-Tegel, in Stuttgart und Düsseldorf steigt. Frankfurt bleibt mit mehr als 300 Flugzielen und rund 90 Airlines der mit Abstand wichtigste deutsche Flughafen.

Ist der Flugverkehr damit nicht beherrschbar?

Der Flugverkehr wird nicht allein durch Starts und Landungen bestimmt, sondern auch durch Überflüge. Alle werden von den Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) betreut. Insgesamt mussten sie im deutschen Luftraum 2018 knapp 3,4 Millionen Flugbewegungen abwickeln. Das waren 240 000 mehr als im Jahr davor. Und damit fast ein Drittel aller Flugbewegungen in Europa, obwohl auf Deutschland nur 3,5 Prozent des europäischen Luftraums entfällt. 2019 sollen, so DFS-Chef Klaus-Dieter Scheuerle, sogar 350 000 dazukommen. Wichtig ist auch die Qualität und Schnelligkeit der Sicherheitschecks an den Flughäfen sowie die Fähigkeit der Airlines, bei technischen Problemen oder Personalausfällen rasch Ersatz organisieren zu können.

Was unternimmt die Deutsche Flugsicherung?

Der Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft (BDL) sieht die größte Herausforderung bei der Flugsicherung, wegen fehlender Lotsen, mangelnder Automatisierung, aber auch wegen der in Europa national organisierten Flugsicherung. Aktuell beschäftigt die DFS rund 2000 Lotsen. Scheuerle hofft, dass sie mehr Schichten leisten als üblich. Aktuell fehlten 90, nach Angaben der Fluglotsen-Gewerkschaft sogar 200 Lotsen. Als Engpass gilt das Kontrollzentrum in Karlsruhe. Um des Andrangs Herr zu werden, schicken die Lotsen die Jets in Korridore in geringerer Höhe. Das ärgert die Airlines, weil der Treibstoffverbrauch dort höher ist.

Was erwarten die Flughäfen in der anstehenden Ferienreisezeit?

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt rechnet man mit Beginn der Osterferien in der Spitze mit bis zu 215 000 Passagieren pro Tag. Im Sommer werden es, so Fraport, zum Teil mehr als 240 000 sein. Das wäre neuer Rekord. Den historischen Spitzentag registrierte man am 29. Juni vergangenen Jahres mit 238 000 Passagieren.

Wie sorgt der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport für den Ansturm vor?

2018 wurden rund 1300 zusätzliche Beschäftigte für die Sicherheitschecks eingestellt, in diesem Jahr sollen weiter 400 dazukommen. Es wurden zusätzliche Kontrollspuren eingerichtet. Allerdings soll erst Mitte Juli eine weitere kleine Abfertigungshalle mit sieben zusätzlichen Spuren fertig sein. Dann verfügt der Flughafen über insgesamt 180 Linien für den Sicherheitscheck. Ähnlich bereiten sich andere Airports vor.

An internationalen Airports wie etwa Singapur müssen Passagiere bei den Kontrollen Notebooks oder Smartphones nicht mehr aus dem Handgepäck nehmen. Wie sieht das in Frankfurt aus?

Entsprechende Geräte stehen nach Angaben eines Fraport-Sprechers hierzulande noch nicht zu Verfügung. Allein deshalb werden sich auch in dieser Reisesaison Schlangen bilden, weil die Geräte weiter aus Taschen und Koffern herausgenommen werden müssen. Vor allem Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat für das nach seiner Auffassung rückständige Verfahren kein Verständnis. Es bedürfe dringend neuer Technologien und durchdachterer Prozesse.

Wie wollen die Fluglinien zusätzliche Kapazitäten schaffen?

Lufthansa stockt die Zahl der Reserveflugzeuge von 15 auf 37 auf, hat 600 Beschäftigte neu eingestellt, um die Abläufe zu beschleunigen. In den Flugplänen gibt es größere Puffer. Nach Angaben von Spohr geht es um 400 Einzelmaßnahmen. Beim Ferienflieger Condor gibt es jetzt sieben statt bislang drei Reserveflieger. Insgesamt hätten die deutschen Airlines die Zahl ihrer Ersatzflugzeuge verdoppelt, heißt es beim Luftverkehrsverband.