Wirtschaft

Dieselskandal Ansprüche von Anteilseigner auf Schadenersatz verfallen zum 1. Januar 2019 / Im Erfolgsfall wird Provision fällig

Neues Modell für Aktionärsklagen gegen VW

Archivartikel

Frankfurt.VW-Aktionäre und Anteilseigner der Porsche SE können noch bis Jahresende auf Schadenersatz wegen Verlusten durch den Dieselskandal klagen. Dazu haben sie jetzt auch die Möglichkeit, über das Verbraucherschutzportal myRight die Ansprüche einzureichen und damit auch indirekt zu klagen. Sie tragen durch diese Art der Sammelklage – die es im Gegensatz zu den USA in Deutschland nicht gibt – kein Kosten- und Prozessrisiko.

Sie müssen allerdings im Erfolgsfall eine Provision von rund 30 Prozent entrichten. „Mit diesem Modell beseitigen wir das Ungleichgewicht zwischen großen Unternehmen, wie in diesem Fall VW, und geschädigten Anlegern und Aktionären“, sagt Marc Tüngler, Haupt-Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW.

Einsatz bereits bei Kunden

Zusammen mit myRight, den Anwaltskanzleien Nieding+Barth sowie Hausfeld und Fortress Investment, dem weltgrößtem Prozessfinanzierer, stellte die DSW in Frankfurt das Modell vor. Es wird bereits für Kunden von VW umgesetzt, dessen Fahrzeuge vom Dieselskandal betroffen sind. Bei der DSW haben sich aktuell rund 5000 VW-Kleinaktionäre gemeldet, dazu kommen Großanleger, die nach Angaben von Rechtsanwalt und DSW-Vize-Präsident Klaus Niedung Kurseinbußen von insgesamt fünf Milliarden Euro geltend machen. Gerade für Kleinanleger wäre eine eigenständige Klage extrem teuer, ohne dass es eine Erfolgsgarantie gibt. Rechtsschutzversicherungen springen nach Angaben von Nieding in solchen Kapitalmarktfällen nicht ein.

„Das Prozessrisiko in Deutschland ist weltweit mit am höchsten. Bei einer Forderung von 10 000 Euro können Kosten von 9 000 Euro auflaufen. Am Ende droht ohnehin geschädigten Anlegern also ein Verlust von 19 000 Euro.“ Diese Bedingungen hielten VW-Aktionäre von einer Klage ab. Das wisse VW sehr genau. „Die Anteilseigner von VW sollen in die Verjährungsfalle laufen. Darauf spekuliert man in Wolfsburg“, sagt Tüngler. Bei myRight gäbe es ein solches Kostenrisiko nicht.

Aufwendige Vorbereitung

Wer dort online einen Schaden von 10 000 Euro anmeldet, zahlt nichts, im Erfolgsfall gehen 3000 Euro an myRight. Das Unternehmen klagt für die Aktionäre, die ihre Ansprüche reklamieren. Berechtigt sind Anleger, die VW-Aktien und/oder Aktien der Porsche SE zwischen dem 1. September 2009 und dem 18. September 2015 gekauft haben. Letzterer war der Tag, an dem die Diesel-Manipulationen bekannt wurden. Die DSW hat wegen des Kursverfalls einen Schaden von 59,50 Euro pro Aktie errechnet.

Letztlich entscheide darüber in einem Prozess das Gericht, sagt myRight-Geschäftsführer Sven Bode. Zum 1. Januar 2019 verjähren sämtliche Ansprüche an VW. Da die Registrierung und die Sichtung der Belege für den Aktienbesitz zeitaufwendig sind, rät Nieding, Ansprüche bis spätestens Ende November anzumelden. Nach Ansicht von DSW-Chef Tüngler ist es „traurig, dass im Fall VW Anleger gezwungen sind, gegen ihr eigenes Unternehmen vorzugeben“.