Wirtschaft

Tarif Verzicht auf Lohnsteigerung bis zum Jahresende / Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger spricht von „Zeichen der Vernunft“ / Südwesten soll Einigung übernehmen

Not-Abschluss in der Metallindustrie

Düsseldorf/Mannheim.Unter dem Druck der Corona-Krise haben Arbeitgeber und Gewerkschaft der Metall- und Elektroindustrie einen schnellen Tarifabschluss erzielt. Die in Nordrhein-Westfalen geschlossene Pilotvereinbarung sieht vor, die Löhne in diesem Jahr nicht mehr zu erhöhen. Arbeitnehmer mit kleinen Kindern erhalten zusätzliche freie Tage, für Kurzarbeiter soll es Ausgleichszahlungen geben. Dazu sollen die Firmen in Solidarfonds einzahlen, über deren Verteilung dann in den Betrieben entschieden wird, teilten IG Metall und Unternehmerverband Metall NRW mit.

Mit der Einigung in NRW sind die regionalen Verhandlungen für die rund vier Millionen Beschäftigten der Branche bundesweit faktisch bis zum Jahresende ausgesetzt worden. Der Präsident von Gesamtmetall, Rainer Dulger, lobte den Not-Abschluss als „Zeichen der Vernunft“. Es könnten keine Tarifverhandlungen „nach dem üblichen Muster“ geführt werden.

Kosten für Unternehmen sinken

Beschäftigte mit Kindern bis zwölf Jahren sollen bis zu fünf freie Tage zur Kinderbetreuung erhalten, wenn sie zuvor ihre Arbeitszeitkonten abgeräumt und weitere tarifliche Möglichkeiten für freie Tage ausgeschöpft haben. Um ein möglichst hohes Kurzarbeitergeld zu erreichen, soll das Urlaubs- und Weihnachtsgeld auf die monatlichen Einkommen aufgeteilt werden. Für die Unternehmen sinken durch dieses Instrument die Kosten.

Die Beschäftigten erhalten im Gegenzug einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Der Not-Abschluss verlängert den eigentlich zum 31. März gekündigten Entgelt-Tarifvertrag bis zum Jahresende 2020 ohne weitere Erhöhungen.

Nach den Worten von Gewerkschaftschef Jörg Hofmann hat der Vorstand der IG Metall den Pilotabschluss bereits gebilligt und den übrigen Bezirken zur Übernahme empfohlen. Lediglich in Baden-Württemberg gebe es bereits einen Vertrag zur Aufstockung von Kurzarbeitergeld, so dass dort andere Themen behandelt werden müssten.

Der Mannheimer IG-Metall-Chef Klaus Stein begrüßte den Abschluss in NRW. „Das ist eine herausragende Leistung, gerade in dieser Zeit.“ Die Corona-Pandemie hat auch Pläne der Gewerkschaft durcheinandergebracht. Stein, der Anfang April in die IG-Metall-Zentrale nach Frankfurt wechseln wollte, bleibt vorerst Erster Bevollmächtigter in Mannheim, will aber gleichzeitig schon Aufgaben in Frankfurt übernehmen. Eine Delegiertenversammlung an diesem Montag wurde abgesagt.

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