Wirtschaft

Mobilität ZEW-Chef Wambach setzt auf Märkte statt Politik

Ökonom widerspricht Minister

Stuttgart.Bei den Elektroautos will Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den Südwesten zum Vorreiter machen. „Jedes fünfte der in Deutschland zugelassenen Autos mit elektrischem Antrieb soll in Baden-Württemberg fahren“, forderte der Grünen-Politiker bei einer Diskussion über „Mobilität der Zukunft“ am Dienstag in Stuttgart. Nach seiner Einschätzung wären das bis 2030 rund zwei Millionen E-Fahrzeuge.

Um das Ziel zu erreichen, sei größeres Tempo beim Ausbau der Ladesäulen notwendig: „Bei der Infrastruktur müssen alle schneller werden.“ Da ist sich der Grüne mit Achim Wambach, dem Präsidenten des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), einig. „Die deutsche Regierung muss die Voraussetzung für die E-Mobilität schaffen“, betonte der Ökonom. Die erste Million Elektroautos könne Deutschland dann 2022 erreichen, spätestens 2023.

„Intelligentes Zusammenspiel“

Wambach rechnet auch für die Zukunft mit weiter wachsendem Verkehrsaufkommen. „Das Mobilitätsbedürfnis steigt“, war der Wissenschaftler überzeugt. Hermann will ebenfalls den Bürgern mehr Mobilität ermöglichen, „aber den herkömmlichen Verkehr reduzieren“. Das gehe aber nur, wenn der öffentliche Nahverkehr besser werde. Zugleich sollten die vorhandenen Straßen intelligenter genutzt werden. „Wir müssen auch den Autoverkehr besser machen“, betonte Hermann.

Wambach warnte vor zu engen politischen Vorgaben: „Wir brauchen ein intelligentes Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsträger. Ich würde die Kräfte des Marktes wirken lassen.“ Dagegen meinte Hermann, die Politik müsse gestalten. Dass Karlsruhe zum Beispiel den Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken innerhalb weniger Jahre verdoppelt hat, führte er auf kommunalpolitische Weichenstellungen zurück.