Wirtschaft

Frauenquote In 160 Dax-, MDax- und SDax-Konzernen sind nur 61 Topmanager im Vorstand weiblich / Anteil steigt minimal

Oft allein unter Männern

Frankfurt.In deutschen Unternehmen haben immer mehr Frauen eine Spitzenposition inne. Dominiert werden die Vorstände börsennotierter Firmen aber weiterhin von Männern. In den 160 Konzernen aus den Börsenindices Dax, MDax und SDax arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2019 insgesamt 61 Managerinnen im Vorstand. Das sind elf Frauen mehr als vor einem Jahr, wie aus einer gestern veröffentlichten Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Der Frauen-Anteil stieg binnen Jahresfrist damit von 7,3 auf 8,6 Prozent.

Es ist der höchste Wert seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013. „Frauen sind in deutschen Vorständen aber immer noch eine Seltenheit“, sagte EY-Expertin Ulrike Hasbargen. „Wir sehen zwar Fortschritte – aber der Wandel vollzieht sich sehr langsam.“ Die Vorstände der meisten Unternehmen aus den drei Börsen-indices sind nach wie vor eine reine Männerdomäne: 67 Prozent der Chefetagen sind den Angaben zufolge ausschließlich mit Managern besetzt.

In den insgesamt neun Unternehmen aus Dax, MDax und SDax in der Metropolregion Rhein-Neckar sind fünf Frauen im Vorstand vertreten (kleine Bilder von oben): Saori Dubourg (BASF), Adaire Fox-Martin und Jennifer Morgan (beide SAP), Dagmar Steinert (Fuchs Petrolub) sowie Christina Johansson (Bilfinger). Am größten ist der Frauenanteil der Studie zufolge in den Vorständen der höchsten deutschen Börsenliga. Inzwischen haben 23 Unternehmen mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied. In den MDax-Konzernen erhöhte sich die Zahl der Frauen im Top-Management binnen Jahresfrist auf 19, in den SDax-Firmen stieg sie auf 14 Managerinnen. Besonders häufig sind Managerinnen den Angaben zufolge in den Chefetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen, gefolgt von der Finanzbranche und Logistikunternehmen.

Natürlich sei es wichtig, in Deutschland bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, argumentierte Hasbargen. „Aber ebenso wichtig ist ein Umdenken in den Unternehmen und im meist männlich besetzten Top-Management.“ Angesichts des demografischen Wandels, der das Reservoir an Arbeitskräften in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen lasse, habe Deutschland ohnehin keine andere Wahl, als verstärkt auf Frauen auch in Führungspositionen zu setzen.

„Gesetzliche Vorgaben greifen“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack forderte verbindliche Vorgaben, um Frauen auf allen Ebenen in Führungspositionen zu bringen. „Wo die gesetzlich vorgeschriebene Quote gilt, greift sie auch. Aber leider zeigt sich mit Blick auf die männerdominierten Vorstände erneut, dass freiwillige Zielvereinbarungen von den Verantwortlichen nicht ernst genommen werden.“

Das bestätigt eine Untersuchung der Organisation Frauen in die Aufsichtsräte vom vergangenen Mai. Demnach funktioniert die vor einigen Jahren eingeführte Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten da, wo es verbindliche Vorgaben gibt. Danach lag der Anteil der weiblichen Aufsichtsratsmitglieder bei Unternehmen, die der Quote unterliegen, bei durchschnittlich 30,9 Prozent.

Frauen, die es ins Top-Management schaffen, können im Schnitt höhere Gehälter erzielen als ihre männlichen Kollegen. In Vorständen börsennotierter Firmen übertraf ihre direkte Vergütung 2017 laut einer EY-Studie mit 2,1 Millionen Euro diejenige der Männer um 300 000 Euro. Als Grund nannte EY die verstärkten Bemühungen der Unternehmen, Frauen in ihr oberstes Führungsgremium zu berufen. Da geeignete Kandidatinnen schwer zu finden seien, steige ihr Marktwert und damit auch die Höhe ihrer Vergütung. (mit fas)