Wirtschaft

Deutsche Bank Hinweise auf drastischen Umbau verdichten sich / Womöglich bis zu 20 000 Jobs auf der Kippe / Analysten sehen kaum Alternativem für das Institut

„Ohne Stellenabbau keine Einsparungen“

Frankfurt.Er sei zu harten Einschnitten bereit und wolle die Bank auf die profitablen Bereiche ausrichten, hatte Christian Sewing auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank Ende Mai gesagt – und konkrete Entscheidungen angekündigt. Die stehen jetzt offenbar bevor. Kommenden Sonntag will der seit April vergangenen Jahres amtierende Vorstandschef dem Aufsichtsrat offenbar seine Pläne präsentieren.

Zwei Punkte werden dem Vernehmen nach im Mittelpunkt stehen: ein auf mehrere Jahre angelegter Abbau von bis zu rund einem Fünftel der aktuell weltweit noch rund 91 500 Arbeitsplätze und ein Umbau im Vorstand, dem bis zu drei Managerinnen und Manager zum Opfer fallen dürften. Die Börse reagierte verhalten auf entsprechende Medienberichte: Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie ging minimal auf 6,76 Euro zurück. Die Bank selbst kommentiert die Meldungen nicht, aber die Anzeichen, dass genau das passiert, verdichten sich. Am Freitag noch hatte Sewing vor allem sein Team in den USA gelobt, weil die Bank den Stresstest der US-Notenbank Fed bestanden hatte, nachdem sie davor drei Mal durchgefallen war. Das seien „hervorragende Nachrichten“ und für das Geschäft in den USA und weltweit ein großer Fortschritt.

Rund 400 Mitarbeiter in der Region

Wenige Stunden später war das schon wieder vergessen, als Meldungen aufkamen, die Deutsche Bank erwäge den Abbau von 15 000 bis 20 000 Stellen. Wie viele davon im Inland, wie viele im Ausland betroffen sein könnten ist ebenso unklar wie der Zeithorizont. Allein durch die Integration der Postbank sollen bis zu 2000 Jobs wegfallen. Zu den aktuellen Spekulationen äußert sich auch die Gewerkschaft Verdi nicht. Im Marktgebiet Manheim-Karlsruhe arbeiten rund 400 Menschen für die Deutsche Bank.

Die jetzt im Raum stehenden Einschnitte seien überfällig, sagt Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. „Die Deutsche Bank hat ein Kostenproblem. Kosteneinsparungen wird man nicht ohne Stellenabbau erreichen“. Seit Jahren sinken nach den Worten von Hein die Erträge deutlich, die Kosten aber weniger schnell. Die Hälfte ihrer Aufwendungen müsse die Bank fürs Personal stemmen.

Für absurd hält er, dass die Bank trotz zweistelliger Milliarden-Verluste in den letzten Jahren sieben Milliarden an Boni ausgeschüttet habe. „Sie hätte 2018 schon zwei Milliarden Euro sparen können, wenn sie keine Boni gezahlt hätte.“ Dem Vernehmen nach wird Investmentbank-Chef Garth Ritchie, mit mehr als acht Millionen Euro zuletzt bestbezahlter Vorstand, gehen müssen. Auch die für das Compliance – und damit für Missstände bei der Geldwäschebekämpfung – verantwortliche Sylvie Matherat und Finanzvorstand James von Moltke gelten als Wackelkandidaten.