Wirtschaft

Automobil Rüsselsheimer Hersteller überrascht mit Gewinn im Kerngeschäft / Zukunft des Entwicklungszentrums ungewiss

Opel legt Vorwärtsgang ein

Archivartikel

Rüsselsheim/Paris.Erstmals seit fast 20 Jahren dürfte Opel mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall in diesem Jahr wieder einen operativen Gewinn verbuchen. Im ersten Halbjahr lag das Betriebsergebnis, das den Erfolg eines Unternehmens im Kerngeschäft widerspiegelt, überraschend bei 502 Millionen Euro. Das verkündete Carlos Tavares, Vorstandschef des Opel-Eigentümers PSA Peugeot, gestern in Paris.

Nach dem Abzug von Steuern, Zinsen, Kosten für den Unternehmensumbau sowie Abfindungen für den Personalabbau bleiben davon unter dem Strich 30 Millionen Euro. Dessen ungeachtet lobte Tavares Opel-Chef Michael Lohscheller und alle Mitarbeiter euphorisch: „Sie haben meine Wertschätzung.(...)Es sind tolle Leute.“

Vor allem dank der Übernahme von Opel/Vauxhall schnellte der Fahrzeug-Absatz des französischen Autokonzerns um 38 Prozent auf einen neuen Rekord von 2,2 Millionen Stück. Der Umsatz kletterte um 40 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro und der Betriebsgewinn sogar um 48 Prozent auf gut drei Milliarden Euro.

Marge über Zielmarke

Tavares, der als harter Sanierer gilt und der vom Opel-Betriebsrat zeitweise heftig kritisiert wurde, sieht das Unternehmen in Rüsselsheim mittlerweile auf dem richtigen Weg. Man arbeite mit Hochdruck daran, weitere Potenziale freizusetzen. Nach Angaben von Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon steht Opel erst am Anfang der Sanierung. Das Unternehmen müsse sich weiter verbessern, um das Niveau des PSA-Konzerns zu erreichen.

Im ersten Halbjahr hat Opel eine Marge von fünf Prozent erreicht. Eigentlich waren erst für 2020 zwei Prozent angepeilt, 2026 sollen es sechs Prozent sein. „Opel macht wieder Geld“, sagte Tavares. Nach Werksangaben steigt der Gewinn pro verkauftem Auto. PSA insgesamt kommt in der Automobilsparte auf einen Betriebsgewinn von 1,7 Milliarden Euro, so dass der Anteil des deutschen Autobauers Opel bei nicht einmal zwei Prozent liegt.

Die Aufwendungen vor allem für den Abbau von insgesamt 3700 der 19 000 Arbeitsplätze in Deutschland waren hoch. Sie werden auf sozialverträgliche Weise gestrichen, Entlassungen wird es nach der Vereinbarung mit dem Betriebsrat von Ende Mai bis 2023 nicht geben. Bei der Übernahme von Opel zum 1. August vergangenen Jahres beschäftigte das Unternehmen europaweit rund 38 000 Beschäftigte

Den verbleibenden Mitarbeitern stellte Konzernchef Tavares weitere Investitionen in Aussicht. Wenn der Sanierungsplan „Pace“ eingehalten werde, gebe es keinen Grund, warum die Gewinne nicht nachhaltig sein sollten, erklärte der Portugiese. Die deutschen Werke würden weitere Investitionen für neue Produkte erhalten, wenn sie wettbewerbsfähig blieben.

Offen ist nach wie vor die Zukunft des Opel-Entwicklungszentrums mit seinen 7500 Beschäftigten in Rüsselsheim. Es soll in Teilen verkauft oder in Partnerschaften eingebracht werden. 4000 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein. Opel-Betriebsrat Wolfgang Schäfer-Klug hatte Anfang Juli empört auf diese Nachricht reagiert. Es handele sich um einen Angriff auf das Herz der Marke Opel. Lohscheller dagegen hatte betont, das Entwicklungszentrum bleibe Kern von Opel. Gestern sagte PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon, die Verhandlungen seien im Gange, aber es sei bisher nichts entschieden worden.

„Die soliden Halbjahresergebnisse von Opel sind erste Früchte der notwendigen harten Sanierung unter der neuen Führung von PSA, sagte der deutsche Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Nur durch Synergien mit einem starken Partner könne Opel wieder nachhaltig in die Erfolgsspur zurückkehren und einen Imagewandel einleiten. (mit dpa)