Wirtschaft

Handel Die Hilfsorganisation kritisiert, dass große deutsche Handelsketten nicht genug auf faire Bedingungen für Lieferanten achten

Oxfam knöpft sich Supermärkte vor

Archivartikel

Berlin.Die grünen Bohnen knackig, der Thunfisch appetitlich, der Wein kostet 1,99 Euro – für den Verbraucher sieht das gut aus. Doch zahlen für das Angebot, für das Geschäft von Aldi und Lidl, Edeka und Rewe andere einen hohen Preis: diejenigen, die ernten, alles verarbeiten und liefern. Das zeigt die internationale Hilfsorganisation Oxfam in einem Report zur Geschäftspolitik der 16 größten und am schnellsten wachsenden Supermärkte in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den USA.

Enorme Einkaufsmacht

Entscheidendes Ergebnis: In der Lieferkette gehe es vor allem um eins – einen geringen Preis. Und: Die großen deutschen Lebensmittelketten bemühten sich weniger als jene in den USA oder Großbritannien um die Rechte der Produzenten. Das ist ein ,,profitables Geschäftsmodell“, sagt Autorin Franziska Humbert. Dank ihrer Größe können die Handelskonzerne „umfangreich einkaufen und einen enormen Preisdruck auf Produzenten, Hersteller und Händler ausüben“, sagt Oxfam-Frau Humbert. Der Report bietet erstmals einen Einblick in den gesamten, von wenigen dominierten Wirtschaftszweig. Berichte über Missstände in verschiedenen Produktionen hat es schon oft gegeben. Frauen, die für südafrikanische Billigweine Trauben pflücken, erklärten, ohne Vertrag beschäftigt zu sein. Arbeiter auf Ananasplantagen in Costa Rica berichteten von Atemproblemen, weil sie ohne Schutz mit giftigen Spritzmitteln hantieren müssten.

Oxfam hat nun die Webseiten der Händler durchforstet, die öffentlich zugänglichen Informationen analysiert: Findet sich eine Grundsatzerklärung, die Menschenrechte zu achten? Fahren die Manager beispielsweise nach Costa Rica, um mit Gewerkschaftern zu reden, wie sich die Arbeitszeiten und Löhne der Ananaspflücker verbessern lassen? Besonders oft wurden sie beim US-amerikanischen Walmart fündig. Er verspricht zum Beispiel, Frauen zu fördern und mehr Produkte von Kleinbäuerinnen ins Sortiment zu nehmen. Und die Deutschen? „Die vier Großen hierzulande gehören zu den Schlusslichtern im internationalen Vergleich“, sagt Humbert.

Die Firmen wehren sich gegen die Kritik. Edeka weist die Vorwürfe zurück, erklärt, sich einzusetzen „in zahlreichen Projekten und Initiativen, um die Einführung und Kontrolle von Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette zu fördern.“ Rewe verweist auf seine „Leitlinie für Nachhaltiges Wirtschaften“, nach der etwa Zwangsarbeit und ausbeuterische Kinderarbeit verboten und der faire Umgang mit Mitarbeiter gefordert sei. Lidl listet eine Reihe von Initiativen auf. Die Lieferanten verpflichteten sich zudem zur Einhaltung und Umsetzung von sozialen und ökologischen Standards. Aldi Nord und Süd wollen die Oxfam-Empfehlungen „prüfen und gegebenenfalls entsprechend in unserer laufenden Strategie-Entwicklung berücksichtigen.“

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