Wirtschaft

Pharma MIP legt Berufung gegen Mannheimer Urteil ein

Patentstreit landet in Karlsruhe

Archivartikel

Mannheim.In einem Rechtsstreit um angemeldete Patente in Zusammenhang mit „PSMA 617“, einer Substanz zur Diagnose und Therapie bei Prostatakrebs, ist Molecular Insight Pharmaceuticals (MIP) vor dem Mannheimer Landgericht Ende August gegen die Universität Heidelberg gescheitert. Das US-Unternehmen will die Abweisung seiner Klage aber nicht hinnehmen und hat beim Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe Berufung eingelegt, wie ein Sprecher auf Anfrage dieser Redaktion bestätigte.

Der OLG-Patentsenat wird nun die Entscheidungsgründe des am 21. August 2020 gefällten erstinstanzlichen Urteils prüfen. Auch wenn Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg federführend an der Erfindung beteiligt waren und in dem Prozess als Zeugen gehört wurden, so ist das DKFZ formal an dem Verfahren nicht beteiligt – aber in hohem Maße an dem endgültigen Ausgang interessiert.

Große wirtschaftliche Chance

Die 2. Zivilkammer am Mannheimer Landgericht hat in ihrem Urteil bestätigt, dass MIP keinerlei Ansprüche als Mitinhaber beantragter Schutzrechte zustehen. „Damit liegen die Rechte an der Erfindung ausschließlich beim DKFZ und der Universität Heidelberg“, erklärt eine Sprecherin für die beiden Institutionen. Und deshalb habe der noch weiter laufende Rechtsstreit „keine Auswirkungen auf etwaige Entwicklungstätigkeiten“.

Bei dem preisgekrönten Wirkstoff im Kampf gegen Prostatakrebs geht es nicht nur um medizinische Hoffnungen, sondern auch um sehr viel Geld: So sorgte bereits im Jahr 2018 für Schlagzeilen, dass Novartis die Übernahme der Lizenzrechte gut zwei Milliarden US-Dollar wert ist. In Fachmedien hieß es, der Schweizer Pharma-Riese traue der Substanz einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar zu. Derzeit befindet sich der Wirkstoff in klinischen Studien der abschließenden Phase III vor einer möglichen Zulassung.