Wirtschaft

Peking schlägt Merkel

Archivartikel

Ob Kanzlerin Merkel in Afrika wirklich etwas erreicht hat, um Fluchtursachen zu bekämpfen oder die Zahl der Migranten zu verringern? Vermutlich nicht. Denn die EU besitzt dort kaum politisches Kapital. Sie hat keine Hebel, um die Führer des Kontinents in ihrem Sinne zu beeinflussen. Anders China. Denn die nach den USA und der EU drittgrößte Wirtschaftsmacht auf dem Planeten hat eine Mehrheit der afrikanischen Staaten in ein eigenes Einflusssystem eingebunden.

China verdankt die starke Stellung in Afrika drei Strategien. Die erste ist das „pragmatische Engagement“. Abgesandte aus dem Reich der Mitte nehmen die Vertreter afrikanischer Länder ernst. Sie treten nicht väterlich und bevormundend auf wie klassische Entwicklungspolitiker. Sie reden auch nicht in die Regierungsform und die Gesellschaft hinein.

Zweitens kommen die Chinesen mit viel Geld für Infrastruktur. Warum haben die USA und die EU nie Geld für Eisenbahnen zur Verfügung gestellt? China nennt es nicht Entwicklungshilfe, aber die Ausgaben geben der Entwicklung einen enormen Schub.

Drittens hat China eine hohe Toleranz für Korruption. Die Verantwortlichen wissen, dass ein Teil des Baugelds in den Taschen der Elite landet. Es ist ihnen jedoch egal oder sogar als eine Art bewusster politischer Bestechung erwünscht. Das ist nicht schön und sicher kein Vorbild. Aber auch das wirkt.

 
Zum Thema