Wirtschaft

Phoenix kämpft gegen Medikamentenengpässe

Mannheim.Auch für den Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix sind es ungewöhnliche Zeiten. Zwar konnte der Großhändler und Betreiber von Apotheken im europäischen Ausland seine Spitzenposition im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 ausbauen. Doch zugleich stellen Lieferengpässe das Unternehmen vor große Herausforderungen.

"Das Thema Medikamentenverfügbarkeit beschäftigt uns jeden Tag", betonte Sven Seidel, seit November 2019 Vorstandsvorsitzender, bei der per Video übertragenen Jahrespressekonferenz in Mannheim. Phoenix sei es aber gelungen, "jederzeit auch unter sehr schwierigen Bedingungen sicherzustellen, dass Millionen von Menschen in Europa zuverlässig und schnell ihre Medikamente bekommen".

Auswirkungen durch Corona

Hintergrund der Engpässe ist, dass gewisse Wirkstoffe nicht mehr in Europa, sondern vor allem in Asien hergestellt werden. Die Konzentration an einigen wenigen Orten in der Welt aber birgt Risiken. So könnten auch kleinere Störungen große Auswirkungen haben, erklärte Seidel. Hersteller in China und Indien hatten in der Vergangenheit mehrfach Lieferprobleme verursacht. Die Corona-Pandemie und dadurch ausgelöste Produktionsstopps verschärfen die Situation zusätzlich. Phoenix begrüße Diskussionen, die Wirkstoffproduktion wieder nach Europa zurückzuholen, betonte Seidel. Er gab sich zuversichtlich, dass das Unternehmen auch weiterhin die Versorgung von Patienten mit Medikamenten sicherstellen könne.

Phoenix ist der größte deutsche Pharmagroßhändler. Das Unternehmen sorgt dafür, dass die Produkte der großen Pharmakonzerne in den Apotheken, Krankenhäusern und bei Ärzten landen. Außerdem betreibt die Phoenix Group im Ausland Apotheken - mit wachsendem Erfolg. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte das Unternehmen zum größten Apothekenbetreiber Europas aufsteigen. Nach dem Erwerb von Apotheken in den Niederlanden, Rumänien, Tschechien und Serbien betreibt Phoenix mittlerweile 2700 Apotheken in 15 Ländern. In Deutschland ist das nicht möglich, hier gilt das Leitbild der inhabergeführten Apotheke. Ein Apotheker oder eine Apothekerin darf zur Hauptapotheke maximal drei weitere Filialen besitzen.

Dennoch ist der deutsche Markt für Phoenix besonders wichtig - ein Dritte des Gesamtumsatzes wird hierzulande gemacht. Im Konkurrenzkampf mit Online-Apotheken setzt der Pharmagroßhändler auf Digitalisierung und begreift sich zunehmend als Gesundheitsdienstleister. So bietet Phoenix allen deutschen Vor-Ort-Apotheken das Konzept "deine Apotheke" an - Kunden können so per App bei ihrer Apotheke die Verfügbarkeit von Medikamenten prüfen, diese vorbestellen und sich auch beraten lassen.

Phoenix, Teil der Merckle Unternehmensgruppe, ist mit rund 800 Mitarbeitern am Hauptsitz in Mannheim-Neckarau einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Derzeit werden die Büroräume dort umgebaut. "Wir schaffen eine Arbeitsatmosphäre, in der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in einer offeneren, lockereren und sehr zeitgemäßen Art zusammenarbeiten und kommunizieren", sagte Seidel. Dafür seien entsprechende Räumlichkeiten nötig, etwa Teamräume, Besprechungsräume, und auch kleinere Ad-hoc-Konferenzräume. Auch das Vertriebszentrum wird modernisiert - "ein klares Zeichen für Mannheim", wie Seidel betonte. Zu der Höhe der Investitionen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Zuversichtlicher Blick nach vorn

Die Gruppe setzte 2019/20 mit 27,2 Milliarden Euro fast sechs Prozent mehr um. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bewegte sich mit 470 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Für das neue Geschäftsjahr rechnet Phoenix mit einem Umsatzwachstum über den europäischen Pharmamärkten. Beim Ergebnis will sich das Unternehmen steigern.

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