Wirtschaft

Schienen werden neu- beziehungsweise ausgebaut: Die Deutsche Bahn plant, mit der Verbindung der beiden Metropolen im Südwesten die Lücke auf der Schnellstrecke Frankfurt – Basel zu schließen

Projekt Mannheim – Karlsruhe nun auch gestartet

Mannheim/Karlsruhe.Bis deutlich in die 2030er Jahre hinein – so lange wird es dauern, bis auf der Neu- beziehungsweise Ausbaustrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe die ersten ICEs rollen werden. „Neu- und Ausbau“ deshalb, weil sich die Bahn noch offenhalten will, welche Trasse letztlich welchen Weg zurücklegen wird – ob bestehende Strecken ausgebaut oder neue Trassen entstehen werden. Am Donnerstag fand die Auftaktveranstaltung der für die Öffentlichkeitsbeteiligung an diesem neuen Projekt statt.

So neu ist das Projekt – oder zumindest der Projektgedanke – aber nicht. Die Bahn plant schon lange eine schnelle Zugverbindung zwischen Frankfurt und Basel. Wie Jens Bergmann, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte der DB Netz AG, erklärte, gehe es auch darum, „viel größere Achsen zu verknüpfen“. Dabei von Bedeutung seien etwa die Verkehre, die von der Nordsee in Richtung Mittelmeer gehen, „aber wir reden eben auch über die europäischen Korridore – beispielsweise von Paris nach München oder über Frankfurt entlang der Donau“.

Bei dem Teilstück Mannheim – Karlsruhe ist die Bahn in zwei schon bestehende Vorhaben eingebunden. Das ist zum einen die ICE-Neubaustrecke von Frankfurt nach Mannheim-Waldhof. Zum anderen gibt es noch das Projekt Karlsruhe – Basel, nur die Verbindung der beiden Strecken fehlte bislang. „Klar ist, dass wir in Mannheim-Waldhof den Anschluss finden werden“, erklärte Bergmann.

„Brauchen eine starke Schiene“

„Der Abschnitt von Mannheim nach Karlsruhe ist ein wichtiger Lückenschluss auf dem europäischen Schienenverkehrskorridor von Rotterdam nach Genua“, erklärte Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz vorab auf Anfrage dieser Redaktion. „Wir wollen und brauchen eine starke Schiene – für unsere Wirtschaft und für einen besseren Klimaschutz.“ Um die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen, müssten die Verkehre der Bahn menschen- und umweltverträglich gestaltet werden.

Um die Kapazitäten für den dann folgenden Verkehr sicherstellen zu können, brauche man zwei neue Gleise, erklärte Bergmann. Zurzeit befinde man sich im Trassenauswahlprozess, an dem unterschiedlichste Interessensgruppen beteiligt würden. Das heißt: Stadtverwaltungen, verschiedenste Verbände – von der Personenbeförderung bis hin zum Naturschutz – und auch Bürgerinitiativen.

Bisher gibt es einen sogenannten Suchraum – der ist noch weit gefasst und reicht vom Pfälzerwald (Westen) bis hin zum Kraichgau (Osten). „Dazwischen muss der gesamte Raum als potenzieller Suchraum betrachtet werden“, so Bergmann. Es müssten alle denkbaren Varianten berücksichtigt werden.

Kosten noch nicht absehbar

Projektleiter Stefan Geweke erläuterte die Meilensteine des Großprojekts. Demnach soll die Trassenfindung im ersten Quartal 2023 abgeschlossen sein. Erste Ergebnisse zu sogenannten Grobkorridoren sollen Anfang 2021 öffentlich werden. Parallel werden Umweltuntersuchungen durchgeführt. Zu den Kosten wie auch einem genauen Zeitpunkt der Fertigstellung konnten Bergmann und Geweke noch nichts sagen. Das hänge davon ab, wie die gefundene Trasse letztlich aussehe, was notwendig sei, um diese Trasse zu realisieren. „Man kann aber jetzt schon sagen, dass wir definitiv deutlich in den 30er Jahren landen werden“, so Bergmann. Bei solchen Großprojekten sei es Usus, dass diese sich auf zehn bis 15 Jahre erstrecken.

Bei der Auftaktveranstaltung machten die beiden Oberbürgermeister Peter Kurz (Mannheim) und Frank Mentrup (Karlsruhe) noch einmal deutlich, dass dieses Projekt „notwendig“ sei, aber auch menschen-, umwelt- und lärmverträglich gestaltet werden müsse.

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