Wirtschaft

Ryanair Arbeitskämpfe werfen Schlaglicht auf Verdienste von Piloten und Kabinenpersonal

Provision verbessert Gehalt

Frankfurt.In mindestens fünf Ländern könnten Piloten des irischen Billigfliegers Ryanair in dieser Woche die Arbeit niederlegen, auch in Deutschland. Die Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) hat der größten europäischen Billig-Airline bis gestern um Mitternacht ein Ultimatum zur Vorlage eines verhandlungsfähigen Angebots gestellt. Morgen wird sie entscheiden, wie es weitergeht. Flugbegleiter von Ryanair haben in 13 Ländern abgestimmt und Forderungen formuliert – in mehreren Ländern gab es bereits Streiks. Nach wie vor sind die Arbeitsbedingungen bei Ryanair höchst fragwürdig.

Selbstständige Unternehmer

Fest steht: Das Geschäftsmodell des Unternehmens und seine Billig-Tickets beruhen auch auf im Branchenvergleich niedrigen Gehältern, auf der Beschäftigung von Selbstständigen und Leiharbeitnehmern und problematischen Arbeitsbedingungen. Nach Angaben von VC erhalten Piloten bei Ryanair im Jahr 25 000 Euro brutto. Nach fünf Jahren, so VC, könnten die Piloten auf 70 000 Euro kommen, bei einem Kapitän könnten es maximal 130 000 Euro sein.

Zum Vergleich: Bei Eurowings starten Piloten mit rund 54 000 Euro, im besten Fall können es 160 000 Euro werden. Lufthansa-Kapitäne können bis zu 250 000 Euro verdienen.

Viele der 4800 Ryanair-Piloten, davon 400 in Deutschland, seien nicht fest angestellt, sondern selbstständig, und müssten von diesem Geld Steuern, doppelt Sozialabgaben als Unternehmer und als Angestellter der Airline zahlen. Bei Krankheit zahle Ryanair nichts. Geld verdienen könne nur, wer auch im Cockpit sitze und fliege. Ryanair bestreitet diese Angaben immer wieder.

Ähnlich groß wie bei den Piloten sind die Diskrepanzen bei den rund 8300 Flugbegleitern von Ryanair im Vergleich zu anderen Airlines. Nach Aussagen von Beschäftigten des irischen Billigfliegers liegen die Netto-Gehälter nur zwischen 700 und 1300 Euro im Monat. Aufbessern können sie ihr Einkommen – wie bei anderen Airlines auch – durch Provisionen für Bordverkäufe. Im Winter, wenn weniger Flüge angeboten werden, gehen die Einkommen der Ry-anair-Service-Beschäftigten noch weiter nach unten, weil sie nicht fliegen und quasi Zwangsurlaub nehmen müssen.

Ryanair entgegnet, das Jahreseinkommen der Flugbegleiter liege bei 20 000 bis 25 000 Euro für im Schnitt 19 Flugstunden pro Woche und zwölf Arbeitstagen im Monat.