Wirtschaft

Justiz Sportartikelhersteller streitet sich mit Konkurrent Adidas um Schuh-Design / Richter: Modelle unterscheiden sich deutlich

Puma läuft vor Gericht ins Leere

Braunschweig/herzogenaurach.Adidas gegen Puma - seit Jahrzehnten sind die beiden Weltunternehmen aus Herzogenaurach erbitterte Rivalen. Jetzt ist ein langer Streit zu Ende gegangen.

Worum ging es überhaupt am Landgericht Braunschweig?

Konkret um die Sohle des Adidas-Modells "Stan Smith Boost", deren Design Puma für sich beansprucht. Unversöhnlich standen sich die Streithähne gegenüber. Am Ende blitze Puma ab und zog den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurück. Zuvor hatte die zuständige Kammer des Gerichts nach einer vorläufigen Beratung mitgeteilt, dass das "angegriffene Schuhmodell die europäischen Geschmacksmuster der Klägerin" nicht verletze.

Wie lief die Verhandlung im Einzelnen ab?

Anwälte präsentierten rund ein Dutzend Schuhmuster. In der mehrstündigen Verhandlung verloren sich die Anwälte beider Seiten immer wieder in grundsätzlichen Markenschutzdebatten. Der Vorsitzende Richter musste die Anwälte mehrfach daran erinnern, wieder zum Wesentlichen zurückzukehren. Die Kammer war jedenfalls der Meinung, dass "wesentliche Unterschiede" zu erkennen seien.

Woher kommt der Name "Stan Smith" des Modells?

Der Schuh ist benannt nach dem ehemaligen amerikanischen Tennisspieler Stan Smith. Er gewann 1972 das Turnier in Wimbledon. "Stan Smith" ist ein Bestseller, in den USA stieg er auf zum bestverkauften Schuhmodell - und verdrängte sogar Nikes Basketballschuh "Jordan XII" auf Platz zwei. Adidas verdoppelte seinen Marktanteil bei Turnschuhen in den USA im ersten Quartal 2017 auf zehn Prozent. Der Schuh war schon lange ein Klassiker im Sortiment von Adidas. Der Konzern nahm ihn allerdings für rund zwei Jahre vom Markt, um ihn wieder attraktiver zu machen.

Und weshalb soll die Sohle so besonders sein?

Was aussieht wie zusammengeklebte Styropor-Kügelchen, gilt unter Branchenexperten als das Modell der Zukunft. Die Sohle mit der sogenannten eTPU-Technologie soll beim Laufen extrem federn und dem Träger angeblich Energie zurückgeben. Weil das bei den Kunden sehr gut ankommt, geht es um Milliardensummen auf dem Sportschuh-Markt.

Wie kam es zu Braunschweig als Gerichtsstandort?

Wenn ein Produkt bundesweit vertrieben wird, kann sich laut Gerichtssprecherin der Kläger aussuchen, wo er die aus seiner Sicht verletzen Rechte einklagt. Puma wählte dafür Niedersachsen, wo das Landgericht Braunschweig für Streitigkeiten über die Verletzung europäischer Geschmacksmuster zuständig ist. Anders als bei Patenten, die technische Erfindungen schützen, geht es bei Geschmacksmustern um das Design eines Produktes.

Was verbindet die beiden Unternehmen Adidas und Puma?

Seit den 1920er Jahren hatten die Brüder Rudolf und Adolf "Adi" Dassler im bayerischen Herzogenaurach Schuhe gefertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zerstritten sie sich und spalteten die Schuhfabrik. Rudolf gründete 1948 Puma, Adi ein Jahr später Adidas. dpa