Wirtschaft

Tarif IG-Metall-Bezirke peilen 2018 Lohnforderung von sechs Prozent an und wollen außerdem kürzere Arbeitszeit durchsetzen

"Realistisch und angemessen"

Leinfelden-Echterdingen.Die IG Metall hat gestern Eckpunkte für die nächste Tarifrunde beschlossen. Für den Bezirk Baden-Württemberg peilt die Große Tarifkommission eine Forderung von sechs Prozent mehr Lohn an. Außerdem will die Gewerkschaft für jeden Beschäftigten einen Anspruch auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden in der Woche durchsetzen. Für die baden-württembergischen Arbeitgeber sprach ihr Vorsitzender Stefan Wolf von einer "äußerst schweren Hypothek" für die Verhandlungen.

Vier Stunden diskutierte die Große Tarifkommission gestern in Leinfelden-Echterdingen über die Gesamtforderung. Als "intensive Debatte" fasste Bezirksleiter Roman Zitzelsberger (Bild) die 17 Redebeiträge zusammen. Einige hätten die sechs Prozent lieber als Untergrenze für die jetzt anstehende Diskussion in den Betrieben gehabt. Beschlossen worden sei dann aber ein "Forderungskorridor um die sechs Prozent". Das sei "realistisch und angemessen", da die Ertragslage in den Unternehmen "weiterhin sehr gut ist". Eingerechnet sei eine Umverteilungskomponente von 2,5 Prozent. Die meisten Bezirke bewegen sich mit ihren Empfehlungen in diesem Rahmen. Lediglich die Niedersachsen favorisieren einen Korridor zwischen 6,5 und 7 Prozent.

Arbeitgeberchef Wolf kritisierte die Lohnempfehlung scharf. Es gebe dafür keine sachliche Begründung. Schon die zuletzt geforderten 4,5 bis 5 Prozent seien überzogen gewesen. Wolf: "Wenn die IG Metall solche absurd hohen Forderungen durchsetzen will, riskiert sie, dass notwendige Zukunftsinvestitionen am Standort Baden-Württemberg unterbleiben."

Die von der IG Metall ins Gespräch gebrachte Arbeitszeitverkürzung wäre ein erster Einstieg in eine Vier-Tage-Woche. Sie will für jeden Metaller einen individuellen Anspruch auf eine 28-Stunden-Woche durchsetzen. Nach zwei Jahren soll es die Wahl zwischen einer Verlängerung und einer Rückkehr zur 35-Stunden-Woche geben. Für Schichtarbeiter, Eltern und für die Pflege will die Gewerkschaft einen Zuschuss des Unternehmens durchsetzen.

Streit um Lohnausgleich

Einzelheiten für den Lohnausgleich bei einer Verkürzung der Arbeitszeit hat die IG Metall gestern noch nicht offengelegt. "Es gibt jetzt eine offene Diskussion in den Betrieben", kündigte Zitzelsberger an.

Die Kosten eines finanziellen Ausgleichs müssen nach Ansicht von Wolf auf die Sechs-Prozent-Forderung draufgerechnet werden. Der Vorsitzende von Südwestmetall erteilte der Erwartung, dass die Betriebe den Zuschuss übernehmen, eine klare Absage: "Das müssten schon alle Beschäftigte solidarisch bezahlen. Da sind wir auf die Reaktionen gespannt, wenn viele für wenige zahlen sollen."

Dass eine Verkürzung der Arbeitszeit den Mangel an Fachkräften verschärfen könnte, sieht auch Zitzelsberger. "Dieser Debatte müssen wir uns offensiv stellen", räumte er ein. Aber die IG Metall dränge seit Jahrzehnten, dass mehr Nachwuchs ausgebildet werde. Wolf warnte vor "unlösbaren Problemen". Die Arbeitgeber hätten zwar Verständnis für die Wünsche von Eltern und Beschäftigten, die Angehörige pflegen, nach mehr Flexibilität. Doch flexible Lösungen könnten nicht einseitig zulasten der Unternehmen gehen.

Vier Wochen bleibt jetzt Zeit für die interne Diskussion. Am 10. Oktober soll der Bundesvorstand seine Empfehlung abgeben. Formell beschließen werden die Bezirke die Forderung dann am 24. Oktober.