Wirtschaft

Indonesien Trübe Konjunkturaussichten und Rekordschulden belasten Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank

Reichlich Sorgen im Gepäck

Nusa dua.Das Land steht derzeit wegen der verheerenden Naturkatastrophe auf Sulawesi im Blick der Weltöffentlichkeit – dabei will die indonesische Regierung das Augenmerk auf ein anderes bedeutendes Ereignis lenken. Drei Jahre lang hat sich das Land auf die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank sowie die parallel stattfindenden Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) vorbereitet. „Das weltgrößte Finanztreffen“, wie es die Regierung zu Recht nennt, bringe dem Land viele wirtschaftliche und politische Vorteile, stärke den Bankensektor, fördere Investitionen und den Tourismus.

„Das ist ein herausfordernder und aufregender Moment für Indonesien“, sagt auch IWF-Chefin Christine Lagarde. Schließlich habe sich das Land mit seinen 262 Millionen Einwohnern sehr dynamisch entwickelt. Sie erinnert aber auch an die Lasten, die Indonesien oft durch Naturkatastrophen zu tragen hat – derzeit auf Sulawesi und unlängst durch das Erdbeben auf Balis Nachbar-Insel Lombok.

Alle drei Jahre kommen rund 15 000 Experten, darunter die Finanzminister und Notenbankchefs und 3000 Delegierte aus den 189 Mitgliedsstaaten von IWF und Weltbank, abseits der Zentralen in Washington zusammen. Am Rande treffen sich 5000 Banker, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und etwa 1000 Journalisten.

Niedrigere Prognose

Wie vor drei Jahren in Perus Hauptstadt Lima ist ab heute erneut ein Schwellenland Schauplatz, mit Nusa Dua gleichzeitig ein touristisches Zentrum Balis. Zeit die Annehmlichkeiten der Ferieninsel zu genießen, haben die Teilnehmer voraussichtlich aber nur begrenzt – schließlich trifft sich die Finanzszene sonst nie gleichzeitig auf so engem Raum.

Zehn Jahre nach der Pleite von Lehman und der Finanzkrise steht das Weltfinanzsystem vor neuen Herausforderungen. Ja, das Finanzsystem sei sicherer geworden, sagt Lagarde, „aber es ist nicht sicher genug.“ Noch läuft die Weltwirtschaft. Im Juli sagte der IWF ein Wachstum von 3,9 Prozent für 2018 und 2019 voraus. Mittlerweile sind am Himmel mehr Wolken aufgezogen. Auf Bali wird der Fonds die Prognose deshalb nach unten korrigieren.

Trotz Fortschritten in Nordamerika belasten die von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte. Das bremse Export und Investitionen, sagt Lagarde. Gleichzeitig leiden Schwellenländer unter dem immer stärkeren Dollar. Ihre Währungen verlieren seit Monaten massiv gegenüber dem Greenback. Das verteuert die Bedienung der Schulden. Das gilt für die Türkei, für Südafrika, Indien sowie Indonesien selbst, wo die Rupiah auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken ist und die Zentralbank mit Zinserhöhungen gegenzusteuern versucht.

Besonders dramatisch ist die Lage in Argentinien. Dort hat der Peso gegenüber dem Dollar seit April fast die Hälfte eingebüßt. Ende September stockte der IWF sein Hilfsprogramm von 50 auf rund 57 Milliarden Dollar bis 2021 auf – es ist der größte Kredit, den der IWF je vergeben hat. Eine neue Schwellenländerkrise sei unwahrscheinlich, sagen gleichwohl Ökonomen wie Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Die Staaten hätten ihre Schulden im Griff, nur in der Türkei und Argentinien sei die Lage kritisch.

Schulden erreichen Rekordhoch

Lagarde dagegen ist vorsichtiger. Insgesamt könnten 100 Milliarden Dollar aus den Schwellen- und Entwicklungsländern abgezogen werden. Es wäre fast so viel wie in der Finanzkrise. Auch deshalb müsse der Handelsstreit beigelegt werden. „Wir müssen das System festigen und nicht zerstören“, sagt Lagarde.

Für Sorgenfalten bei den Finanzexperten sorgen auch die privaten und öffentlichen Schulden, die laut IWF mit 182 Billionen Dollar so hoch wie nie zuvor sind. Die Rekordschulden könnten – bei steigenden Zinsen – zu neuen Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen und Staaten in Schwierigkeiten bringen. Wo es notwendig sei, werde der IWF Finanzhilfe leisten, sagt Lagarde.