Wirtschaft

Konsumgüter Milliardärsfamilie aus der Metropolregion Rhein-Neckar will Anteil an Kosmetikkonzern deutlich aufstocken

Reimanns greifen nach Coty-Mehrheit

Mannheim/New York.Die deutsche Milliardärsfamilie Reimann will ihren Anteil am US-Kosmetikkonzern Coty aufstocken und so die Mehrheit übernehmen. Die Familie will bis zu 150 Millionen Aktien zusätzlich erwerben und bietet dafür 11,65 US-Dollar je Papier, wie ihre Holding JAB gestern in Luxemburg mitteilte.

Marken Calvin Klein und Hugo Boss

Insgesamt wäre das ein Kaufpreis von umgerechnet bis zu 1,55 Milliarden Euro. JAB hält schon rund 40 Prozent an Coty mit seinen bekannten Parfümmarken wie Gucci, Calvin Klein oder Hugo Boss. Mit 150 Millionen weiteren Papieren würde der Anteil auf insgesamt rund 60 Prozent steigen. JAB will in jedem Fall mindestens 50 Millionen Coty-Aktien zukaufen und den Anteil somit auf etwa 47 Prozent erhöhen – dies sei eine Bedingung des Angebots.

Die Ursprünge der Reimann-Dynastie reichen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als Johann Adam Benckiser und Karl Ludwig Reimann in Ludwigshafen eine Chemiefabrik aufbauten. Dadurch hält die Familie noch heute einen Anteil an dem britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser (Clearasil, Kukident, Calgon). Der Reimann-Clan lag in der Liste des „Manager Magazins“ der 1001 reichsten Deutschen zuletzt mit einem geschätzten Vermögen von 33 Milliarden Euro auf Rang zwei.

Im November erst war nach starken Geschäftseinbußen und Kursverlusten am Aktienmarkt die Konzernspitze von Coty neu aufgestellt worden. Vorstandschef Camillo Pane, der erst im Oktober 2016 angeheuert hatte, reichte aus „familiären Gründen“ seinen Rücktritt ein.

Zu Camillo Panes Nachfolger wurde mit Pierre Laubies ein Vertrauter des Reimann-Clans ernannt, der zuvor den ebenfalls zu dessen JAB-Imperium gehörenden Lebensmittel- und Kaffeekonzern Jacobs Douwe Egberts führte.

Die aktuelle Offerte kam an der Börse sehr gut an, Coty-Aktien stiegen im US-Handel zeitweise um rund 18 Prozent.

Dabei tut sich der New Yorker Konzern eigentlich insbesondere seit der Übernahme von Wella und anderen Kosmetik-Marken des Konsumgüterriesen Procter & Gamble im Jahr 2016 schwer. dpa