Wirtschaft

Automobil Konzerne treiben Pläne für komplette Fusion voran – und könnten Volkswagen als größten Hersteller der Welt ablösen

Renault und Nissan vor Eheschluss?

Archivartikel

Boulogne-billancourt.Die bereits verbündeten Autobauer Renault und Nissan sprechen einem Medienbericht zufolge über eine komplette Fusion. Ziel sei ein neuer, gemeinsamer Konzern, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Renault-Chef Carlos Ghosn, der bei beiden Unternehmen bereits das Sagen hat, treibe das Vorhaben voran und wolle auch nach dem angestrebten Zusammenschluss an der Spitze des fusionierten Konzerns stehen.

Seit 1999 verbunden

Entstehen soll ein neues Schwergewicht unter den Massenherstellern. Haken könnte es am Staatseinfluss: Die französische Regierung hat bei Renault ein gewichtiges Wort mitzureden. Das Finanzministerium in Paris und Renault wollten sich nicht äußern. Bei Nissan hieß es, es würden keine Gerüchte und Spekulationen kommentiert.

Berichte über ein mögliches komplettes Zusammengehen gibt es schon seit längerer Zeit. Der 64-jährige Ghosn, der erst vor Kurzem eine Vertragsverlängerung als Renault-Vorstandschef bis 2022 erhielt, hatte die Möglichkeit nicht ausgeschlossen.

Renault und Nissan sind seit 1999 verbunden und arbeiten bei Technik und Einkauf eng zusammen. Renault hat derzeit einen Anteil von gut 43 Prozent an Nissan, Nissan besitzt 15 Prozent an Renault. Zusammen sind die beiden Konzerne an der Börse mehr als 60 Milliarden Euro wert. Renault und Nissan beschäftigen zusammen weltweit mehr als 250 000 Mitarbeiter.

Ghosn dürfte mit dem Vorhaben auch den weltgrößten Autobauer Volkswagen im Visier haben. Zusammen mit dem von Nissan weitgehend kontrollierten Hersteller Mitsubishi sieht der Konzernlenker die Allianz ohnehin schon als größten Autobauer der Welt – wenn schwere Nutzfahrzeuge und Lkw wie etwa die von MAN und Scania bei VW herausgerechnet werden. Im vergangenen Jahr hatte der Pakt aus Renault, Nissan und Mitsubishi rund 10,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, Volkswagen insgesamt 10,7 Millionen.

Eine Fusion könnte sich aber als schwierig herausstellen. Neben der als unsicher geltenden Zustimmung der französischen Regierung müssten auch japanische Behörden die Fusion billigen. Es bliebe auch die Frage des rechtlichen Sitzes. dpa