Wirtschaft

Prozess Ex-Jurist des Heidelberger Personaldienstleisters muss sich wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Untreue verantworten

Reutax-Anwalt vor Gericht

Mannheim.Ein Treffen im Jahr 2011 geht Richard F. nicht aus dem Kopf. In einem Hotel in Kalifornien trifft sich der Anwalt mit seinem langjährigen Klienten und Vertrauten Soheyl G. Dem Mann, der den Heidelberger IT-Vermittler Reutax gründete und der 2014 wegen Untreue zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden sollte. G. eröffnete ihm damals offenbar, er wolle eine Villa in Beverly Hills kaufen – und dafür Geld der Reutax nehmen. F. hatte ein ungutes Gefühl: „Wenn du das machst, ist das Untreue“, habe er geantwortet, erzählt er heute.

Starke Bedenken

Seine Sorgen bestätigten sich letztlich. Seit gestern muss sich der Jurist aus Baden-Baden vor dem Landgericht in Mannheim wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Untreue verantworten. Er soll – trotz seiner Bedenken – bei der Abwicklung des Geschäfts geholfen und die Zahlungen verschleiert haben, so die Anklage der Staatsanwaltschaft. G. selbst war gestern als Zeuge geladen.

Die Entstehung der Reutax ist eigentlich eine Bilderbuchgeschichte. 2002 gründete G. die Firma, die Fachkräfte im IT-Bereich vermittelte. Schnell ging es bergauf. Aus dem Heidelberger Unternehmen wurde ein kompliziertes Firmengeflecht mit Holding in der Schweiz und einer Reihe Tochterfirmen. Investiert hatte unter anderem der Eppelheimer Unternehmer Hans-Peter Wild, der einst „Capri Sonne“ zur Weltmarke machte. Als Förderer von G. hatte er der Reutax-Holding eine Finanzierung gewährt für die Expansion in die USA. Jenes Geld, das dann jedoch in den Kauf des Hauses fließen sollte. 2013 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Nach einem Verkauf fusionierte die Reutax-Gruppe 2014 mit dem Frankfurter Softwaredienstleister Quest.

F. und G. kennen sich schon lange. Im Zeugenstand erinnert sich G., er habe F. während seines Studiums kennengelernt, als er wegen einer juristischen Lappalie Hilfe suchte. Aus dem kurzen Ratschlag erwuchs eine Freundschaft. Bei Gründung der Reutax leistete F. Rechtsbeistand, und in der weiteren Firmengeschichte nahm er als Hausanwalt und Vertrauter von G. eine wichtige Rolle im Unternehmen ein.

Sparsamkeit war Streitpunkt

An einem wesentlichen Punkt unterschieden sich beide aber offenbar. „Er ist ein sehr sparsamer Mensch“, sagt G. In seiner Aussage zeichnet F. das gleiche Bild von sich. Das passte nicht so recht zum ausschweifenden Lebensstil, den G. sich über die Jahre aneignete: Anwesen in Wilhelmsfeld, Porsche in der Einfahrt. Und dann sollte es eben die Villa in Kalifornien sein für schlappe neun Millionen Dollar. F. konnte die Begeisterung für das Anwesen jedoch nicht teilen. Es sei ein Holzbau gewesen, der letztlich das Geld nicht wert gewesen sei, erzählt er in seiner Aussage. Trotz der Warnungen habe G. das Haus haben wollen. An der Abwicklung sei F. federführend beteiligt gewesen, so die Anklage. Eine Softwarefirma namens „Timar-Soft“ sei unter anderem gegründet worden – das spanische Wort „Timar“ bedeutet so viel wie Betrug. Über einen Schein-Auftrag der Reutax sollte das Geld – rund fünf Millionen Dollar – in die USA und schließlich in den Kauf des Anwesens fließen. Der andere Teil der Summe sei per Bankkredit finanziert worden.

In seiner Aussage betonte F., er habe damals den Straftatbestand der Untreue intensiv geprüft, weil er ebenso besorgt gewesen sei. Nach seinem Ermessen liege er doch nicht vor, weil G. in der Lage gewesen wäre, die Summe selbst aus seinem Privatvermögen aufzubringen. In der Folge sei er der Ansicht gewesen, dass alles seine Richtigkeit habe. G. bestätigte in seiner Zeugenaussage, dass er das Geld gehabt hätte. Dies sei jedoch angelegt gewesen, weshalb ihm F. von der privaten Finanzierung abgeraten habe. Über die weitere Abwicklung und über das Firmengeflecht wisse er wenig. Der Name „Timar-Soft“ stamme jedenfalls von F. Und: Die Firma sei ein Konstrukt gewesen, um Zahlungen zu verschleiern. Der Prozess wird am Montag um 9.30 Uhr fortgesetzt.