Wirtschaft

Russland SAP, Freudenberg und SEW Eurodrive blicken trotz Sanktionen optimistisch in die Zukunft

Riesiges Land, riesige Chancen

Archivartikel

Moskau/Sankt Petersburg.SAP, Freudenberg, SEW Eurodrive – drei Unternehmen aus der Region, die seit vielen Jahren Geschäfte in Russland machen. Beim Besuch der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) berichteten sie von ihren Erfahrungen. Fazit: Die Stimmung ist erheblich besser, als es politische Spannungen und Sanktionen vermuten lassen würden.

SAP

Öl, Gas und Digitalisierung – das ist nach dem Willen der russischen Regierung der künftige Dreiklang für die Wirtschaft des Landes. In den Ausbau von Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder das industriell genutzte Internet der Dinge investiert das Land in den kommenden Jahren Milliarden. Und überall dort, wo Daten in riesigem Maßstab verarbeitet werden, will der Walldorfer Softwarekonzern SAP Geschäfte machen. „Die Nachfrage nach digitalen Lösungen steigt immens, und SAP kann jede Art davon zur Verfügung stellen“, sagt Russland-Chef Andrey Filatov. „Der russische Markt bietet riesige Möglichkeiten.“

Der Walldorfer Konzern ist seit 1992 in Russland vertreten, derzeit sind 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Wie viele andere Unternehmen schätzt SAP die große Zahl junger Menschen, die besonders im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich exzellent ausgebildet sind und eine Karriere im Markt für Zukunftstechnologien anstreben. Um diesen Markt noch besser erschließen zu können, hat sich SAP 2017 der deutsch-russischen Digitalisierungsinitiative GRID angeschlossen, in der außerdem Konzerne wie Siemens, Bosch, Rostelekom oder das Innovationszentrum Skolkovo vertreten sind.

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland hatten nach Filatovs Worten „keine großen finanziellen Auswirkungen“ auf SAP. Aktuell beträgt der Umsatz im Russland-Geschäft mehr als 472 Millionen Euro, bei einem Gesamtumsatz von zuletzt knapp 25 Milliarden Euro. Dass eine Delegation baden-württembergischer Unternehmer Russland besucht hat, um die Beziehungen wieder zu intensivieren, begrüßt Filatov ausdrücklich. „Das Land verdient es, unterstützt zu werden. Ich denke, Russland und SAP können auf vielfache Weise davon profitieren.“

SEW Eurodrive

Am Stadtrand von St. Petersburg baut der Bruchsaler Motoren- und Getriebespezialist SEW Eurodrive derzeit seine Russlandaktivitäten aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Juli bezieht das Unternehmen seinen neuen Vertriebs- und Servicestandort, an dem die Bauarbeiten in der Endphase sind. 25 Millionen Euro hat SEW investiert, außer in Beton auch in Mitarbeiter: 100 von insgesamt 150 russischen Beschäftigten arbeiten künftig in St. Petersburg, der Standort ist damit dreimal so groß wie der bisherige.

SEW ist seit 26 Jahren in Russland aktiv, die jüngste Vergangenheit war nicht leicht. „Die Sanktionen stellten eine große Hürde für uns da“, sagt Generaldirektor Vladimir Zolotarev. In der Automobilindustrie stockte es, das traf auch SEW. Das Unternehmen liefert unter anderem Motoren, welche die Fertigungsbänder in Autowerken antreiben. Der Ausblick ist dagegen optimistisch: SEW will den Umsatz in Russland nach Zolotarevs Worten von derzeit 30 auf 50 Millionen Euro steigern. SEW-Produkte würden in zahlreichen Branchen eingesetzt, für die gute Wachstumsaussichten bestünden, etwa Bahn und Logistik, Nahrungsmittelindustrie oder Metallverarbeitung. Derzeit liegt der Marktanteil von SEW bei Getriebemotoren in Russland bei 30 Prozent.

Freudenberg

Der Weinheimer Familienkonzern Freudenberg ist mit sieben Geschäftsgruppen an 13 Standorten in Russland vertreten und beschäftigt dort insgesamt 326 Mitarbeiter. „Die Stimmung im Land ist gut“, sagt Torsten Jaschan, Finanzvorstand des Tochterunternehmens Klüber Lubrication Russland, das Spezialschmierstoffe unter anderem für die Automobil- und Lebensmittelindustrie sowie den Maschinen- und Anlagenbau herstellt.

In Russland betreibt Freudenberg seit 2006 ein Werk in Sawolschje, dort werden unter anderem Vliesstoffe für die Baubranche produziert. In die bislang mehrfach erweiterte Anlage investierte das Weinheimer Unternehmen mehr als 40 Millionen Euro. Jaschan lobt die Fertigungsstätte als „modernsten, effektivsten Freudenberg-Politex-Standort weltweit“. Nach seinen Worten hat sich die Freudenberg-Investition in Russland bezahlt gemacht – das russische Personal sei gut ausgebildet, die Lohn- und Fertigungskosten seien auch dank guter Rohstoffversorgung insgesamt günstig.