Wirtschaft

Hannover Messe Beim traditionellen Rundgang der Kanzlerin geht es vor allem um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine

Roboter werden immer feinfühliger

Archivartikel

Hannover.Kanzlerin Angela Merkel zieht mit Schweden an einem Strang – oder besser Kabel: Eifrig rollt sie zusammen mit Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven aus einer hölzernen, auf den ersten Blick wenig digital wirkenden Kabeltrommel ein paar Meter Kabel ab. „Fleißig heute“, kommentiert Andreas Lapp, Vorstandschef der Lapp-Gruppe, an dessen Stand die Kabeltrommel auf den Einsatz wartet.

Der Clou: Die Trommel meldet über die Cloud, wie viel Kabel übrig ist – dies soll für mehr Effizienz bei der Nachbestellung sorgen. Um Details geht es bei der traditionellen Messetour in Hannover kaum, dazu bleibt keine Zeit. Im Mittelpunkt der Schau stehen die Digitalisierung – und Roboter. Sie sind allgegenwärtig – in allen Größen, immer schneller, immer lernfähiger und immer besser dazu in der Lage, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Besuch bei ABB und SAP

Schutzzäune in Fabriken, hinter denen Roboter werkeln, sollen bald der Vergangenheit angehören. Merkel zeigt denn auch wenig Berührungsängste, lässt sich am Ericsson-Stand von einem Roboter eine Packung Pfefferminzbonbons geben. Der ziert sich erst etwas. Enttäuschung bei der Kanzlerin. Aber als Merkel beide Hände unter den Greifarm hält, lässt er los. Die Kanzlerin jubelt. Zurückhaltender bleibt sie beim Automatisierungsexperten Omron: Dessen Tischtennisroboter „Forpheus“ bleibt dem Nachwuchsspieler Leon Hintze nichts schuldig. „Macht das Spaß?“, will Merkel wissen. Und: „Aggressivere Bälle spielt er nicht?“

Am ABB-Stand befestigt ein Modell mit höchster Präzision ein Uhren-Armband, ein Zweiter legt die Uhr in eine Schachtel. Früher hätte ein solcher Automat die Uhr zerdrückt, meint ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Ein anderes großes Thema der Messe ist 5G, der neue, superschnelle Mobilfunkstandard. So gut wie überall schwärmt man davon, was mit dem neuen Standard alles möglich werden soll.

Teilweise streikt die Technik

Merkel will nun von Ericsson wissen, wie es denn mit der nächsten Stufe, mit 6G, aussieht. „Sie werden es sehen“, lautet die verheißungsvolle Antwort.

Wo immer Merkel auftaucht, sind nicht nur Fernsehkameras – auch die Arme von Hunderten von Messe-Besuchern und Ausstellern mit Smartphones recken sich in die Höhe. Zwar ist der Ausflug in die Welt der „Industrie 4.0“ für die Kanzlerin Routine. Aber sie interessiert sich, stellt Fragen, schüttelt Hände und hört geduldig zu.

Auch wenn nicht alles auf Anhieb klappt: Bei SAP soll Augenkontakt zum Bildschirm genügen, um einen Roboter zu starten. Doch ohne etwas manuelle Nachhilfe geht es nicht. Und Siemens schickt zum Besuch der Kanzlerin den digitalen Klon eines Mitarbeiters auf einen Bildschirm. Als der virtuelle Mitarbeiter aber etwas sagen soll, bleibt er stumm. dpa