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Pharma Ein Wirkstoff, den vor allem Rheumapatienten erhalten, könnte gegen schwere Komplikationen bei Covid-19-Erkrankten helfen

Roche testet Medikament im Eiltempo

Archivartikel

Mannheim/Basel.Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf den Baseler Pharmakonzern Roche massiv aus. Nicht nur, weil Mitarbeiter ins Homeoffice wechseln. Sondern weil der Konzern unter Hochdruck an der Bekämpfung der Lungenkrankheit arbeitet. Erst vor wenigen Tagen erhielt Roche eine Notfall-Zulassung für seinen Test auf das neue Virus Sars-CoV-2. Am Donnerstag kündigte der Pharmahersteller, der auch einen großen Standort in Mannheim hat, eine klinische Studie an, in der sein Medikament Actemra/RoActemra getestet werden soll.

Das Arzneimittel auf Basis des Wirkstoffs Tocilizumab wird hauptsächlich bei rheumatoider Arthritis eingesetzt, wie ein Roche-Sprecher auf Anfrage mitteilte. Doch es gibt Anzeichen, dass es auch bei gefährlichen Nebenwirkungen einer Covid-19-Erkrankung helfen könnte.

Ein Teil der Patienten, bei denen die Krankheit schwer verläuft, entwickelt einen sogenannten Zytokinsturm. Dabei handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems, die zu einem Multiorganversagen führen kann. Nach derzeitigen Daten ist die Haupttodesursache bei Corona-Patienten akutes Lungenversagen. An zweiter Stelle kommt der Zytokinsturm.

Einsatz in China und Italien

Der monoklonale Antikörper Tocilizumab ist in den USA seit 2017 zur Behandlung eines Zytokinsturms zugelassen. Denn er blockiert Rezeptoren auf der Zelle, wodurch Entzündungssignale nicht weitergeleitet werden können. Im Zuge der Corona-Epidemie wurde das Mittel nach Angaben des Roche-Sprechers daher sowohl in China als auch in Italien eingesetzt. Allerdings gibt es bislang keinen klinischen Beweis, dass das Medikament auch bei Covid-19-Patienten wirksam ist. „Wir setzen daher alle Hebel in Bewegung, dass die Studie schnell beginnen kann“, so der Sprecher.

Geplant ist eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie der Phase III: Das heißt, die Patienten werden zufällig auf zwei Gruppen verteilt (randomisiert). Die eine erhält zusätzlich zur üblichen Therapie Actemra/RoActemra, die andere ein Placebo. Weder Patient noch Behandler wissen, wer was erhält (doppelblind).

Mit der Studie soll die Sicherheit und Wirksamkeit von Actemra/RoActemra geprüft werden. Roche ist zuversichtlich, dass die Studie schon Anfang April mit zunächst 330 Patienten in aller Welt startet. Das Unternehmen arbeitet dazu mit der FDA, der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde, zusammen. „Die heutige Ankündigung ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie Industrie und Aufsichtsbehörden schnell zusammenarbeiten können, um die Pandemie anzugehen“, sagte Roche-Entwicklungschef Levi Garraway. Wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, kann Roche bislang nicht sagen.

Unklare Lage

Bislang gibt es gegen die neue Krankheit Covid-19 weder Impfung noch Heilmittel. Die Kliniken setzen daher experimentell Medikamente ein, die aufgrund ihres Wirkmechanismus möglicherweise helfen können. Das aber birgt auch Probleme. So lässt sich nach der Gabe mehrerer Wirkstoffe kaum sagen, auf welchen etwa eine Heilung zurückzuführen ist. Außerdem gibt es immer auch das Risiko, dass es unter den verabreichten Medikamenten zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt.

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