Wirtschaft

Elektroautos Europäischer Automobilverband ACEA kritisiert fehlende Ladeinfrastruktur und fordert Kaufanreize

Ruf nach Subventionen

Frankfurt.Die europäischen Autohersteller sehen sich in Bewegung Richtung Null-Emissionen und Nachhaltigkeit. „Das ist Realität, die Null-Emissions-Autos kommen“, sagte Carlos Tavares, Präsident des europäischen Automobil-Verbandes ACEA am Mittwoch auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Es müsse aber nicht nur um Autos gehen, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz Richtung Klimaschutz. Dazu zählt Tavares, Chef des französischen Autokonzerns PSA, auch eine Batteriefertigung in Europa und eine CO2-freie Produktion. „Nachhaltige Mobilität ist ein sehr komplexes Thema“.

Ladepunkte ungleich verteilt

Die Branche wolle bei dem Weg Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine führende Rolle einnehmen, sagt der ACEA-Chef. In der Politik vermisst er ein entsprechendes Mitziehen. „Die Regierungen der EU müssen sich der Geschwindigkeit anpassen, mit der wir Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf den Markt bringen, indem sie ihre Investitionen in die Infrastruktur dramatisch aufstocken.“ Tavares fordert zudem unzweideutig Subventionen für den Umstieg hin zu CO2-freien Fahrzeugen. „Die Regierungen müssen Kaufanreize setzen, die in der gesamten EU konsistent sind“.

Der ACEA kritisiert vehement, dass es in der gesamten EU immer noch viel zu wenige Ladepunkte für Elektro-Autos gebe. Einer auf der IAA vorgelegten Studie zufolge waren es 2018 nur 144 000. Das sind zwar drei Mal so viele wie 2013. Bis 2030 müssten es aber mindestens 2,8 Millionen sein – also 20 Mal mehr als heute. Der ACEA beklagt zudem, dass die Ladepunkte sehr ungleich verteilt sind. Mehr als 75 Prozent seien in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu finden. Der Zusammenhang mit der Zulassung von Elektro-Autos sei evident: „In fast allen EU-Ländern mit weniger als einem Ladepunkt pro 100 Kilometer liegt der Marktanteil von Elektro-Autos bei unter einem Prozent.“

Das ganze sei ein „Henne und Ei“-Problem sagt Tavares. Vor fünf Jahren habe man bemängelt, dass es zu wenige E-Autos gebe. Nun würden solche Autos verkauft und es gebe ein Infrastruktur-Problem. Nach Ansicht von Tavares müssen für Neubauten Ladepunkte vorgeschrieben werden.

Es gehe nicht allein um sauberen Transport, sagt der ACEA-Präsident, sondern um nachhaltige und bezahlbare individuelle Mobilität. „Wir sind absolut bereit, das Problem mit Blick auf den Klimaschutz zu lösen. Auch wir haben Kinder und Enkel“. Die Branche sei sehr offen für den Dialog und spreche bereits mit kritischen Organisationen. Er erinnerte auch daran, dass derzeit rund 100 Kohlekraftwerke neu gebaut würden.

Nach Angaben des ACEA lag der Marktanteil von Elektro-Autos und Plug-In-Modellen 2018 in der EU bei zwei Prozent.

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