Wirtschaft

Tarifkonflikt Urabstimmung der Piloten ergibt große Mehrheit für einen Ausstand / Ankündigung mindestens 24 Stunden vorher

Ryanair-Kunden müssen sich auf Streik einstellen

Archivartikel

Frankfurt.Der Konflikt zwischen dem irischen Billigflieger Ryanair und den Gewerkschaften eskaliert auch in Deutschland. Die bei der Vereinigung Cockpit (VC) organisierten Piloten sprachen sich in der Urabstimmung über den Manteltarifvertrag und den Vergütungstarifvertrag mit überwältigender Mehrheit für einen Streik aus.

„Wir geben Ryanair eine allerletzte Frist bis zum 6. August, um noch ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei VC, gestern in Frankfurt. Auch die Gespräche am vergangenen Freitag hätten keine Fortschritte gebracht. Damit drohen vielen deutschen Urlaubern große Probleme. Mögliche Streiks wird die Pilotenvereinigung mindestens 24 Stunden vorher ankündigen. Mit 96 Prozent votierten die Piloten für eine Arbeitsniederlegung. Seit Monaten liegt Ryanair mit Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter in etlichen Ländern im Clinch. Im März hatten die Flugbegleiter in Portugal gestreikt, in der vergangenen Woche hatten sie in Belgien, Italien, Portugal und Spanien die Arbeit niedergelegt. In der Woche davor waren es Ryanair-Piloten in Irland. In Deutschland hatte es kurz vor Weihnachten 2017 einen Warnstreik der Piloten gegeben.

Viele nicht fest angestellt

In der vergangenen Woche hatte Ryanair vorsorglich 600 Flüge gestrichen. Obwohl in Deutschland nicht gestreikt wurde, waren auch hier etliche Abflüge betroffen. Unter anderem wurden Flüge in Köln/Bonn, in Berlin-Schönefeld und vereinzelt an anderen Flughäfen abgesagt. Allein in Spanien hatte der Billigflieger mit 200 fast ein Viertel seiner Verbindungen gestrichen. Mehrere Zehntausend Passagiere waren betroffen. Ryanair hatte mitgeteilt, etwa 50 000 Kunden seien umgebucht oder vollständig entschädigt worden. Hintergrund der Streiks sind die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung bei Ryanair. Nach Angaben der Gewerkschaften erhalten Flugbegleiter brutto in der Regel maximal 2100 bis 2500 Euro im Monat, unter dem Strich höchstens 30 000 Euro im Jahr. Ryanair hingegen behauptet, es seien bis zu 40 000 Euro. Auch bei Piloten zahlt Ryanair nach Angaben von VC erheblich weniger als vergleichbare Airlines wie etwa TUIfly, zudem sei nur die Hälfte fest angestellt. Die andere Hälfte seien selbstständige Unternehmer, die im Krankheitsfall kein Geld bekämen und für die es keine klaren Regelungen für die Flugzeiten gebe. Bei den Festangestellten lägen die Bezüge um rund ein Drittel unter denen vergleichbarer Airlines. Ryanair dagegen behauptet immer wieder, die Piloten könnten bis zu 200 000 Euro im Jahr verdienen.

VC und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisieren die Zustände bei Ryanair seit Jahren. Immerhin haben sich die Iren und ihr charismatischer Chef Michael O’Leary zu Verhandlungen bereit erklärt, die seit Januar laufen. O’Leary hat allerdings auch betont, dass Ryanair hart verhandelt. „Wir sind nicht bereit, unangemessenen Forderungen nachzugeben, die entweder unsere niedrigen Tarife oder unser hocheffizientes Modell gefährden werden.“ Auch Versetzungen und Stellenstreichungen deutete er an.