Wirtschaft

Porträt Unternehmer Bernard Arnault gilt als zweitreichster Mann der Welt / In seinem Heimatland Frankreich erfährt er mehr Ablehnung als Anerkennung

Sammler von Kunst und Luxusmarken

Archivartikel

Paris.Was ist Luxus für Bernard Arnault? Wird ihm diese Frage gestellt, antwortet er mit der für ihn so typischen vornehmen – manche würden sagen falschen – Bescheidenheit. Nicht Champagner, Kaviar oder tolle Autos nannte der 71-Jährige in einem seiner raren Gespräche mit Medien. Echter Luxus sei für ihn vielmehr: Zeit. Wer sein Leben lang damit beschäftigt war, ein Industrie-Imperium aufzubauen, bei dem war sie wohl in der Tat stets knapp bemessen. Aber so sehr sich der Milliardär dezent im Hintergrund halten mag – jeder Franzose kennt ihn.

Anfang in der Baufirma

Als Chef des Konzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) steht Bernard Arnault dem Weltmarktführer der Luxusgüterindustrie vor, der unter anderem die Mode-Marken Givenchy und Fendi, den Champagner-Hersteller Veuve Cliquot, die Cognac-Brennerei Hennessy sowie Uhren- und Schmuckmarken unter seinem Dach vereint. Es sind Produkte, die Eleganz sowie Stil ausstrahlen und zum Träumen anregen – und das immer erfolgreicher.

Im ersten Halbjahr 2019 stieg der Umsatz von LVMH um 15 Prozent auf 25 Milliarden Euro. Das US-Magazin „Forbes“ listet Arnault vor Kurzem mit einem geschätzten Vermögen von knapp 94 Milliarden Euro auf Platz zwei der reichsten Menschen der Welt. Dabei wurde dem im nordfranzösischen Roubaix geborenen Sohn eines mittelständischen Unternehmers und einer Pianistin das Vermögen nicht in die Wiege gelegt.

Nach dem Besuch der Elite-Ingenieursschule École Polytechnique stieg Arnault in die Baufirma seines Vaters ein und machte aus ihr ein Immobilienunternehmen. 1984 erwarb er die vor der Pleite stehende Holding Boussac-Saint-Frères, von der er letztlich nur zwei Perlen behielt: die Marke Christian Dior und das edle Pariser Kaufhaus „Le Bon Marché“. 1989 folgte der Kauf von LVMH, unter dessen Dach er immer mehr Marken versammelte – teilweise gegen deren Willen. Hermès etwa reichte Klage ein, als Arnault über Umwege 22,5 Prozent der Aktien erstand.

So formte sich sein Ruf, ein „Raubtier“ oder gar ein „Wolf im Kaschmirmantel“ zu sein – mit brillantem Geschäftssinn. Darüber hinaus gilt der Vater von fünf Kindern aus zwei Ehen als Familienmensch, passionierter Klavier- und Tennisspieler. Der große Kunstliebhaber und -sammler hat Paris mit der Fondation Louis Vuitton ein Ausstellungshaus mit spektakulärer Architektur beschert. Bekannte loben ihn als Feingeist mit großem Sinn für Kunst und Kultur. Doch viele Franzosen sehen in Bernard Arnault in erster Linie einen unmenschlichen Kapitalisten, als den ihn auch der Journalist und heutige Linkspolitiker François Ruffin in seinem Dokumentarfilm „Merci patron!“ („Danke, Chef!“) skizzierte.

Dass der Unternehmer unmittelbar nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame eine Großspende von 200 Millionen Euro versprach, stimmte die Öffentlichkeit nicht unbedingt milder: Bei einem altehrwürdigen Monument zeige Arnault sich großzügig, hieß es, aber an echten sozialen Taten lasse er es vermissen. Bei einem Empfang auf seinem edlen Weingut „Château d‘Yquem“ im Mai warteten denn auch „Gelbwesten“ auf den Besitzer und seine Gäste, um sie an die soziale Ungerechtigkeit im Land zu erinnern.

„Hau ab, reiches Schwein!“

Als 2013 Arnaults Pläne bekannt wurden, sich um die belgische Staatsbürgerschaft zu bemühen, wohl als Reaktion auf die Reichensteuer von 75 Prozent, die der sozialistische Präsident François Hollande einführen wollte, zeigte ihn die linksgerichtete Zeitung „Libération“ auf dem Titel mit einem Koffer und der Aufforderung: „Hau ab, reiches Schwein!“ Es war eine Anspielung auf das wütende „Hau ab, armes Schwein!“, das Ex-Präsident Nicolas Sarkozy zuvor einem Mann entgegengeschleudert hatte, der ihm den Handschlag verweigerte. Arnault gilt als Vertrauter Sarkozys und war sogar Trauzeuge bei dessen zweiter Eheschließung. Schließlich verzichtete er auf die belgische Staatsangehörigkeit. Kein Konzern zahle so viele Steuern in Frankreich wie seiner, betont Arnault immer wieder. LVMH stelle pro Jahr 12 000 bis 15 000 Leute ein und zähle momentan weltweit 156 000 Mitarbeiter. Mit steigender Tendenz – Arnaults Ehrgeiz scheint unerschöpflich.

Zum Thema